Die Konjunktur der Rohstoffmärkte der Welt hat sich in den letzten 14 Tagen noch unterschiedlicher entwickelt als in den vorhergehenden Berichtsperioden. Waren und ganze Warengruppen, deren Preise vorher eindeutig nach unten tendierten, zeigten auf den einen Markt eine mehr oder weniger kräftige Erholung, während sie auf anderen Landesmärkten noch eine schwache Stimmung aufwiesen; andere wiederum sind auf der ganzen Linie gestiegen, und wieder andere haben neue, zum Teil sehr starke Rückschläge erfahren. übereinstimmende Gründe für diese verschiedenartige Preisentwicklung sind nicht festzustellen.

Sensationell, weil von keiner Seite vorausgesehen, zum mindesten nicht dem Umfange nach, war der große Preiseinbrach auf dem Weltkautschukmarkt und die fast ebenso große Erholung der Wollpreise während der ersten Monatshälfte. Auf dem Kautschukmarkt bestand schon im ganzen vorigen Jahre eine Überproduktion. Erzeugt wurden 1951 rund 1,88 Mill. lgt Naturkautschuk, denen aber nur ein Verbrauch von etwa 1,5 Mill. t gegenüberstand. Der Preisabbau von der übertriebenen Höhe des vorigen Jahres ging im Vergleich zu anderen Rohstoffen verhältnismäßig langsam vor sich. Als aber die USA, deren Vorratskäufe für strategische Zwecke die Hauptstütze des Kautschukmarktes der Welt bildeten, den Preis für ihren synthetischen Kautschuk auf 23 cts je 1b herabsetzen und eine weitere Ermäßigung durch Übergang zu einem billigeren Fabrikationsverfahren ankündigten, als gleichzeitig bekannt wurde, daß das Ziel der amerikanischen Hortungskäufe nahezu erreicht ist, und sich schließlich auch der Absatz von neuen Autoreifen in USA und in anderen Ländern immer mehr verringerte, kam es durch den Rückzug der Groß Spekulation aus dem Markt zunächst zu einem Preissturz in Singapore und anschließend daran zu ähnlich scharfen Preisrückgängen in ‚London und New York, von denen man befürchtet, daß sie auch jetzt noch nicht beendet sind. In London wurde am 16. d. M. nur noch 25 1/4 d je lb für Lokoware notiert, in New York 28,80 cts gegen 32 d und 34,55 cts Ende April, während von London aus Oktober/Dezember-Lieferungen bereits zu unter 25 s je lb angeboten werden.

Die malayischen Produzenten, vor allem die großen englischen Plantagen, klagen lebhaft darüber, daß die jetzigen Weltmarktpreise für Naturkautschuk nicht mehr ihre Produktionskosten dicken, die zwischen 19 und 26 1/2 d je lb betragen sollen. In Ottawa hat inzwischen eine Versammlung der aus Vertretern von 18 Nationen (Produktions- und Verbraucherländern) bestehenden Internationalen Kautschuk-Studiengruppe stattgefunden, auf der von den Produzenten Vorschläge zu einer Marktregulierung gemacht wurden. Diese Vorschläge hatten, eine Absatzgarantie seitens der Verbraucherländer für eine Durchschnittsproduktion und eine Preisstabilisation zum Ziel. Die Versammlung ist jedoch auseinandergegangen, ohne irgendwelche Beschlüsse hierüber zu fassen. Die Gruppe hat vielmehr einen Sonderausschuß eingesetzt, der in London prüfen soll, ob es möglich ist, Überschüsse und Mangel an Gummi zu verhindern, was auf eine Produktions-Restriktion hinauslaufen würde, wie sie für Kautschuk vor dem Kriege bereits bestanden hat.

Im Gegensatz dazu haben sich die Wollpreise seit Anfang Mai von Auktion zu Auktion erhöht. Die Gesamtbesserung soll im Durchschnitt etwa 10 bis 15 v. H. betragen. Am stärksten angezogen haben Merinowollen in Spitzenqualitäten. Auf den Wollauktionen in Australien, Neuseeland und Südafrika waren Käufer aus aller Herren Ländern vertreten, die lebhaftes Kaufinteresse zeigten. Dabei soll namentlich von japanischer Seite viel gekauft worden sein. Anscheinend haben die stark zurückgegangenen Preise – Schweißwolle notierte in New York Ende April 139,20 cts je lb gegen 35? cts im Januar 1951 – Neuanschaffungen nicht nur für den Großhandel und die Fabriken wieder reizvoll gemacht, sondern auch die Spekulation zu neuem Einsteigen veranlaßt. Außerdem ist wohl vielfach der Wunsch maßgebend gewesen, sich rechtzeitig mit Rohware für die Zeit bis zum Eintreffen der nächsten Schur einzudecken. Denn die Wollauktionen der laufenden Saison gehen im Juni zu Ende. Allerdings sind Spinnereien, Webereien und Großhandel der meisten Länder noch reichlich mit Ware versehen? jedoch wird aus England und USA berichtet, daß sich der Auftragseingang neuerdings etwas gebessert hat. Von dem Wollausschuß der Internationalen Rohstoffkonferenz in Washington ist übrigens gleich nach Beginn der neuen Auftriebswelle den Mitgliedsländern empfohlen worden, Hortungskäufe in Wolle unter allen Umständen zu vermeiden, damit eine übertriebene Preissteigerung wie 1950 und 1951 verhindert werde.

Von den übrigen Spinnstoffen hat sich amerikanische Baumwolle von dem letzten Preisrückgang von 41 cts je lb auf 39,55 cts noch nicht wieder erholt. Anlaß dazu gaben umfangreiche Liquidationen der alten Ernte, die auf die unbefriedigende Nachfrage nach Rohbaumwolle im In- und Auslande und auf die Wahrscheinlichkeit eines größeren Uberhangs am Ende der diesjährigen Baumwollsaison zurückzuführen waren. Dagegen hat sich Karnak in Alexandrien in der Zwischenzeit befestigt. Anscheinend sind einige der in Aussicht stehenden Tauschgeschäfte der Regierung in Ordnung gegangen. Außerdem, ist auch China als Käufer in Alexandrien aufgetreten, so daß sich die statistische Lage für ägyptische Baumwolle etwas gebessert hat. Jute hat aus Mangel an Nachfrage um 30 Rupies je Ballen für Lokoware Dundee Daisee auf 180 Rupies nachgegeben. – Die deutschen Zellwollpreise sind um 18 v. H. ermäßigt worden. Viskosezellwolle wird jetzt zu 3,25 DM je kg verkauft. Hierdurch soll den erheblichen Preisermäßigungen für Garne und Gewebe während der letzten Zeit Rechnung getragen und außerdem die frühere Relation zum Baumwollpreis wieder hergestellt werden. Die Fabriken erwarten von der Preisermäßigung eine günstige Wirkung auf die Zurückhaltung der Vorarbeiter. – In England sind in der vergangenen Woche zwei der Courtaulds’schen Rayonfabriken für die Dauer eines Monats geschlossen worden. Die englische Baumwollindustrie befürchtet für die Sommermonate weitere Stillegungen oder eine Ausdehnung der Kurzarbeit. Die schlimmste Zeit steht der-englischen Baumwollindustrie nach der Meinung Sachverständiger noch bevor.

Die Preise für Öle und Fette haben sich auf dem amerikanischen Markt zum Teil befestigt, zum Teil sind sie unverändert geblieben, doch sind auch noch einige kleinere Rückgänge zu verzeichnen. Man ist in USA der Überzeugung, die allerdings weder in der statistischen Lage noch im derzeitigen Geschäftsgang eine Stütze findet, daß die Preise Ihren tiefsten Stand bereits erreicht haben Die Verkäufer sind deshalb zurückhaltender geworden, und schon geringe Käufe des Handels haben aus dieser Stimmung heraus zur Befestigung des Marktes geführt. In England dagegen sind die Ende April herabgesetzten amtlichen Abgabepreise unverändert geblieben. Preisänderungen erfolgen dort stets nur in größeren Intervallen.

Von den NE – Metal1en ist Blei in New York am 12. ds. Mts. abermals – um 2 cts je lb auf 15 cts – zurückgegangen. England ist gefolgt. Dort wird Blei jetzt zu 131 £ je t gehandelt. Dieser Preis liegt um 49 £ = 27 v. H. unter dem Höchstsatz von 180 £ je t, der vom 14. Juli bis 30. September 1951 gezahlt wurde. Seitdem ist der Preis sechsmal zurückgesetzt worden. Die Preise für die übrigen NE-Metalle sind unverändert geblieben. Auch die längst erwartete Ermäßigung des Zinkpreises ist noch nicht erfolgt. o 1