Rlt. Düsseldorf, Ende Mai

Daß die Mannesmannröhren-Werke als erstes Unternehmen der Montan-Industrie ihre befohlene Liquidation nunmehr beendet und Neugründung, Neubilanzierung und Neubewertung endgültig abgeschlossen haben, ist sowohl ein Verdienst der Geschäftsführung wie auch eine Folge des übersichtlichen Konzernaufbaues der Vergangenheit, In den letzten Wochen hat das Rätselraten über das künftige Aktienkapital von Mannesmann und das Umtauschverhältnis für die Aktionäre zu mancher Spekulation geführt. Wenn das Holding-Unternehmen jetzt mit 240 Mill. D-Mark neuem AK, mit 24 Mill. DM gesetzlichen und 65 Mill. DM freien Rücklagen als Mannesmann AG., Düsseldorf, auftritt, seine gemäß alliiertem Diktat auszugründende Bergbaugruppe „Consolidation“ mit 53,3 Mill. DM Und seine Maschinenbaugruppe, die „Stamag“, mit 26,6 Mill. DM an Aktienkapital, zusammen also mit 320 Mill. AK ausstattet, so stellt dies gegenüber dem alten Konzern-AK eine Umstellung im Verhältnis 1:2 dar. Für eine alte 600-RM-Mannesmann-Aktie erhält heute der Aktionär 12 neue Aktien zu je 100 DM, davon neun von Mannesmann, zwei von Consolidation und eine von der Stamag.

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Ausschlaggebend für die Festsetzung des 1:2-Umtauscbschlüssels sirnd bei Mannesmann letzten Endes nur unnachgiebige alliierte Eingriffe gewesen. Der Fall Mannesmann deckt leider auf, daß mit Nachdruck auf eine hohe Kapitalisierung hingewirkt wird, um so die Liquiditätssituation der deutschen Montanwerke zu verschlechtern, die Dividendenaussichten zu beschneiden und die natürliche Kreditfähigkeit abzubremsen. Eine solche Konzeption könnte in der Tat Modernisierungstempo und Investitionsumfang in der westdeutschen Montanindustrie stark dämpfen. Allein im Falle Mannesmann erfordert zum Beispiel der jetzt begonnene Reservebau für die seit 1936 arbeitende Blockstraße im Hüttenwerk Huckingen einen Betrag von rund 30 Mill. DM, der Ausbau der Siemens-Martin-Stahlproduktion schon in den ersten Baustufen mindestens den gleichen Betrag.

Wilhelm Zangen, Vorsitzer des Vorstandes der Mannesmann AG., konnte darauf hinweisen, daß die neue Holding zwar ohne Schulden startet, aber dringend neue Betriebsmittel und Investitionsmittel braucht. Diese Kapitalbeschaffung wäre auf dem einst natürlichen Wege der Aktienemission praktisch nicht mehr gegeben, da das AK bereits die äußerste Höhe erreicht habe. Zangen meinte daher: „Das Gegebene für uns wie für die Industrie allgemein ist in einer solchen Lage die Emission von Obligationen. Hier bezahlt der Staat fast 60 bis 75 v. H. der Zinsen. Um aber eine Dividende zahlen zu können, muß das Fünffache an Steuern aufgebracht werden.“