In einer freundlichen, kleinen Stadt an einem freundlichen See kaufte ein Mann einen Hut. Er erhielt einen Faltprospekt zugleich, der eine saftige Polemik gegen die Hutlosen enthielt. Der Mann hatte sich ganz harmlos einen Hut erstanden. Plötzlich sollte er in Reih’ und Glied marschieren gegen die Hutlosen ...

Der Prospekt ist offenbar von einer Zentralinstanz zur Propagierung des Hütetragens entworfen worden. Es stand zu lesen, daß durch Mutlosigkeit „eine deutliche Verminderung des Denkvermögens eintritt“. Auch sei es gut, nach jedem Sport sich sofort einen Hut aufzustülpen, um „das gefährliche, geistige Abstumpfen zu vermeiden.“ Dann heißt es weiter: „Menschen auf geistig niedriger Stufe, wie die Neger, brauchen keine Kopfbedeckung, aber auch unter diesen Primitiven pflegen Häuptlinge und Medizinmänner Hüte zu tragen, um damit ihre geistige Überlegenheit anzuzeigen.“ Der Schlaumeier, der den Prospekt verfertigt hatte, glaubte dann seiner Branche einen besonderen Gefallen zu tun, als er den Hutlosen nachsagte, sie seien .„ohne Selbsterkenntnis“.

Reklame ist gut und nötig. Es ist aber eine Frage, ob es klug ist, Zeitgenossen zu beschimpfen, bloß weil sie keinen Hut tragen. Es wäre vielleicht gut, wenn Leute wie die Hersteller dieses Pamphlets, eine Zeitlang (und dies auch nachts) zwei Hüte tragen würden, um ihr „Denkvermögen“ zu verdoppeln.

Manche – Leute tragen einen Hut, manche Leute tragen keinen Hut. Es ist kein Grund, daß die einen die anderen verachten und beschimpfen. Beschimpfung als Reklamemittel aber ist eine Aufklärung, die über die Hutschnur geht. U.S.