Nationen vergleichen ihren Humor VIII. Rezept des französischen Arztes: Einen Witz zu machen, ist eine gute Tat

Humor zu haben ist Lebensweisheit: das war die Quintessenz der Ausführungen in der vorigen Ausgabe der „Zeit“ über die Heiterkeit der Chinesen. „Einen Witz zu machen, ist eine gute Tat“, sagt Henri Mondor, prominentes Mitglied der Academie Française, der hier die (französische) Kunst, witzig zu sein, an Hand der Ärzte-Witze schildert.

war, glaube ich, Odette Joyeux, die mir eines Tages dieses beinahe medizinische Geschichtchen erzählte. Eine junge Tänzerin, die ihren Kolleginnen eine gewisse Rundung von fünf Monaten nicht mehr verbergen zu können meinte, beschloß, ihnen die Neuigkeit mitzuteilen.

„Aber von wem?“ riefen die anderen Mädchen.

Bescheiden antwortete sie: „Oh, das sind Leute, die ihr gar nicht kennt...“

Wenn ich diese Geschichte zur Einleitung meiner Betrachtung über das Lachen der Mediziner und das Lachen im allgemeinen nehme, dann deshalb, weil sie zu den Histörchen gehört, die unter den Ärzten eine lebhafte mündliche Tradition haben.

Die Schwierigkeit, solche Histörchen gut zu erzählen, liegt in der Kunst der knappen Darstellung. Der beste Erzähler ist meiner Meinung nach der, der im Bereich dieser Geschichten am meisten Sinn für Kürze hat. Nirgends lohnt sich der Lakonismus so sehr wie hier. Diejenigen, welche die Histörchen verlängern, verwässern sie, indem sie die eigene Rolle genießen und auf der Szene zu bleiben versuchen, womit sie schließlich anstatt einer lustigen Geschichte eine langweilige und betrübliche Demonstration machen. Sie beschneiden die Phantasie und belasten die Laune. Wer Witze erzählt, deren Autor er nicht selbst ist, sollte sich besonders an diesen Rat halten: Die Knappheit der Darstellung, die Sparsamkeit der Gesten und der Mimik werden, ihm am meisten heifen. Je mehr er unpersönlich zu erscheinen vermag und als ein unverantwortlichen Automat auftritt, desto mehr Spaß wird er den andern machen und Dank dafür ernten. Der Schauspieler als Interpret darf niemals, zwischen dem Werk und dem Publikum, ein Verkehrshindernis sein.