Rationalisierungsbestrebungen können nur dann zu einem spürbaren volkswirtschaftlichen Erfolg führen, wenn sie den gesamten Ablauf des Wirtschaftsgeschehens umfassen. Rie Rationalisierung ist damit als gemeinsames Anliegen aller im Wirtschaftsleben Tätigen charakterisiert, wobei es keinen Unterschied macht, ob sie in der Erzeugung oder im Vertrieb stehen, ob sie als Leiter eines Unternehmens oder als Arbeiter im Betrieb tätig sind. Die Probleme der Rationalisierung sind so unterschiedlich wie die Betriebe selbst. Abhängig von den verschiedensten Faktoren, wie Struktur, Größe, Kapitalkraft oder regionaler Lage, hat jeder Betrieb seine eigenen Rationalisierungsprobleme, die er nur selbst aus eigener Anstrengung heraus zu lösen vermag. Die Rationalisierungsarbeit setzt sich aus Tausenden von Einzelmaßnahmen zusammen, und die Zahl ihrer Ansatzpunkte ist groß. Doch gibt es eine Reihe von Problemen, die für eine bestimmte Branche spezifisch sind. Darüber hinaus gibt es aber auch solche Probleme, die für verschiedene Wirtschaftszweige von gleicher Bedeutung sind oder die gar auf dem langen Wege von der Planung der Erzeugung bis zur Auslieferung an den Letztverbraucher mehrfach wiederkehren. Diesen Brennpunkten der Rationalisierung gilt die besondere Aufmerksamkeit des Rationalisierungs-Kuratoriums der Deutschen Wirtschaft (RKW), das in Zusammenarbeit mit allen interessierten Organisationen und aufgeschlossenen Einzelpersönlichkeiten im In- und Ausland den Betrieben die Hilfsmittel an die Hand geben will, die sie brauchen, um diese Probleme zu meistern.

Einer dieser Brennpunkte, der eines der wichtigsten Aufgabengebiete der Rationalisierung überhaupt darstellt, ist die Typenbegrenzung, d. h. die Reduzierung der derzeitigen Vielzahl gefertigter Typen von Produktionsgütern aller Art auf ein vernünftiges Maß. Nur durch Typenbegrenzung kommen wir zu hohen Stückzahlen, die die Anwendung moderner rationeller Fertigungsmethoden ermöglichen und auf dem Wege über eine Kosten- und Preissenkung zu einer Steigerung des Absatzes und damit zu einer Erhöhung der Produktion führen. Die überragende volkswirtschaftliche Bedeutung der großen Serie ist in keinem Lande so klar erkannt worden wie in den USA, wo führende Fachleute wiederholt darauf hingewiesen haben, daß die Massenfertigung erst durch eine radikale Verminderung der Typenzahl ermöglicht wurde.

Typenbegrenzung ist nicht gleichbedeutend mit Uniformierung. Sie bezweckt keineswegs, den einzelnen in der Entfaltung seiner Wünsche und Neigungen zu beeinträchtigen. Auf dem Gebiet der reinen Gebrauchsartikel (Werkzeuge, Verpackungsmittel), wie auch bei Einzelteilen von technischen Erzeugnissen (etwa Uhrfedern, Autobatterien) sind derartige Bedenken ausgeschaltet. Gerade aber durch Typisierung der oft sehr zahlreichen Einzelteile läßt sich eine erhebliche Kostensenkung des Gesamterzeugnisses erzielen, ohne daß deswegen auf eine den unterschiedlichen Bedürfnissen und dem persönlichen Geschmack der Verbraucher angepaßte Ausgestaltung der äußeren Form verzichtet zu werden braucht. – Das gleiche Problem erscheint beim Handel wieder, wo oftmals die Sortimentsbreite das Auswahlvermögen des Käufers um ein Vielfaches übersteigt (z. B. 300 verschiedene Rundfunkgeräte in einem Einzelhandelsbetrieb); außerdem verursacht sie – wenn man an die Kosten für Lagerhaltung denkt – eine sinn- und zwecklose Erhöhung der Unkosten.

Hand in Hand mit einer Begrenzung der Typenzahl muß eine Bereinigung der Fabrikationsprogramme gehen. Es muß erreicht werden, daß die Werke ihre Produktion auf diejenigen Erzeugnisse beschränken, die sie wirtschaftlich herzustellen in der Lage sind. Dies gilt insbesondere für eine große Zahl von Einzelteilen technischer Erzeugnisse, die zweckmäßigerweise nicht selbst gefertigt, sondern von Zuliefererbetrieben bezogen werden sollten, die ihrerseits eine Reihe von Werken beiliefern und daher infolge höherer Stückzahlen rationeller produzieren können. Eine Erweiterung des Fabrikationsprogrammes sollte in jedem Falle nur dann erfolgen, wenn ein echtes Bedürfnis dafür besteht, da die Kosten für das Herausbringen einer neuen Type meist sehr beträchtlich sind (z. B. 3 Mill. DM für ein neues Motorradmodell).

Der Typenbegrenzung eng verwandt ist die Normung, deren wirtschaftliche Bedeutung allgemein anerkannt ist. Ursprünglich als eine reine Festlegung von Abmessungen gedacht, hat sich die Bedeutung der Normen auf die Gütesicherung ausgedehnt. Die Verwendung eines nach DIN-Normen gefertigten Erzeugnisses soll dem Verbraucher nicht nur die Gewißheit geben, daß es bestimmte festgelegte Maße hat, sondern darüber hinaus gewährleisten, daß es entsprechend seinem Verwendungszweck allen Anforderungen genügt.

Ein weiterer Brennpunkt ist die Rationalisierung des Transportwesens, dessen Anteil an den aufzuwendenden Löhnen je nach Art des hergestellten Erzeugnisses 15 bis 85 v. H. beträgt. Hier ist es vor allem das innerbetriebliche Förderwesen, das in der Mehrzahl der Betriebe mit der technischen Entwicklung nicht Schritt gehalten hat. Die moderne Fördertechnik bietet die Mittel zu zügigem Materialfluß und zu einer weitgehenden Einsparung von Transportkosten. Insbesondere sind durch die Entwicklung der gleislosen Flurfördertechnik, d. h. die Mechanisierung nicht nur der Horizontaltransporte, sondern – unter Zuhilfenahme von Behältern und Stapelplatten – auch aller Vertikalbfewegungen und Umladeprozesse, neue Möglichkeiten erschlossen worden. Durch den Einsatz moderner Fördermittel (z. B. Elektrokarren, Gabelstapler) können bis zu 30 v. H. der Transportkosten gespart werden. Eine der wesentlichen Voraussetzungen für die Nationalisierung des innerbetrieblichen Transportwesens ist eine Untersuchung der Transportverhiltnisse in jedem Betrieb unter dem Gesichtspunkt des ungehinderten Materialflusses und unter Einbeziehung aller kostenverursachenden Faktoren.

Neben den wichtigsten Brennpunkten Typenbegrenzung und Transport-Rationalisierung gibt es eine Reihe von weiteren, wie etwa die Arbeitsvorbereitung, Rohstoff- und Energieausnutzung, Fragen der Verpackung, des Vertriebes sowie nicht zuletzt die Ordnung der menschlichen Beziehungen im Betrieb.

Der Erfolg oder Mißerfolg der Rationalisierung wirkt sich im persönlichen Leben jedes Konsumenten aus. Es muß daher gelingen, nicht nur die Mitarbeit aller in der Wirtschaft Tätigen zu gewinnen, sondern darüber hinaus in der öffentlichkeit das Verständnis für die Notwendigkeit der Nationalisierung zu wecken.