Von Direktor Prof. A. Rachel, AEG, Berlin

Eines der wichtigsten Mittel, um den internationalen Warenaustausch in der ganzen Welt zu erleichtern, ist die Normung. Die Normung ist überall zunächst national entstanden: „Sie erstrebt einen wirtschaftlichen Erfolg durch bessere Arbeitsteilung und gleichzeitige Arbeitsverbindung. Sie ermöglicht die Überwindung überflüssiger Vielzahl zugunsten zweckvoller Einfachheit. Sie erzielt damit Ersparung von Arbeitskraft, Arbeitszeit und von Rohstoffen. Sie erreicht Leistungssteigerung sowohl des einzelnen, als auch der Gesamtheit .“ Es ist kennzeichnend, daß noch im ersten Weltkrieg, mit seinem Bedarf an Massenprodukten, der erste „Normenausschuß der deutschen Industrie“ gegründet wurde, der sich 1926 zum „Deutschen Normenausschuß“ (DNA) ausweitete. Die nationalen Normenausschüsse nahmen miteinander Fühlung, und 1928 entstand so die ISA (International Federation of the National Standardizing Associations), die mit dem Beginn des zweiten Weltkrieges erlag. Sie wurde danach als „International Organization for Standardization“ (ISO) neu gegründet. Ihr Zweck ist, die Entwicklung der Normung in der Welt zu fördern, um damit den internationalen Warenverkehr und Kundendienst zu erleichtern und die Zusammenarbeit im Bereiche des geistigen, wissenschaftlichen, technologischen und wirtschaftlichen Schaffens zu entwickeln. Im Dezember 1951 ist Deutschland auf der Grundlage des „Deutschen Normenausschusses“ als gleichberechtigter Mitarbeiter in die ISO aufgenommen worden. Die weitgehende Bedeutung dieses Vorganges erkennt man daraus, daß das Kernstück der Normung die Halb- und Fertigwaren der gewerblichen Wirtschaft umfaßt und daß die Hauptausfuhr Deutschlands gerade auf diesem Gebiet liegt. Der Arbeitsbereich der ISO betrifft grundsätzlich alle diejenigen Aufgaben, die in den Bereich der nationalen Normung gehören. Die Anwendung ihrer Arbeitsergebnisse, die „ISO-Empfehlungen“, ist freiwillig und nur von deren sachlicher Güte abhängig. Das ist national und international von grundlegender Bedeutung, denn das Fehlen jeden Zwanges sichert den Normen ihre Anpassungsfähigkeit, bewahrt sie vor Überalterung und beeinträchtigt nicht die Souveränität jedes Landes. Es sei in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, daß das Wort „Standards“ viel weiter geht als das deutsche Wort „Normen“. Standards umfassen Normen, Vorschriften und praktisch alle anerkannten Regeln der Technik. Auch der Deutsche Normenausschuß gibt bereits auf gewissen Gebieten Vorschriften heraus. Wir sind aber in Deutschland trotz der ausgezeichneten Organisation, die der DNA hat, noch weit davon entfernt, eine Orgnisation deutscher Standards zu haben. Hier ist noch im Interesse der nationalen und internationalen Wirtschaft viel Zusammenfassungsarbeit zu leisten.

Das Fehlen jeden Zwanges national und international auf dem Gebiet der Normen sowie der nicht unbeträchtliche Aufwand für die internationale Normungsarbeit hatten zur Folge, daß im allgemeinen international nur solche Festlegungen herauskommen, deren Anwendung in den beteiligten Ländern als sicher anzunehmen ist. Sie stehen also nicht nur auf dem Papier, sondern bringen wirtschaftlichen Nutzen. Für die internationale Verständigung und den Erfahrungsaustausch auf wissenschaftlichen und technischen Gebieten durch Literatur, zeichnerische Unterlagen usw. ist die Festlegung des Inhaltes von Begriffen, Vereinbarungen von Bezeichnungen, Vereinheitlichungen von Kennzeichen und Sinnbildern und ähnliches von großem Vorteil. Da die industrielle Stärke Deutschlands bis jetzt weniger auf dem Gebiet der Erzeugnisse von Massenproduktion, sondern bei Einzelobjekten mit großem Lohnanteil liegt, ist die Normung in der internationalen Wirtschaft gerade für Deutschland von so großer Bedeutung. Sie vereinfacht die internationale Festlegung von Typenreihen, Prüfverfahren, Leistungsregeln, Bau- und Sicherheitsvorschriften der Industrie, die Ausarbeitung von Angeboten bei Ausschreibungen und die Ausführung von erteilten Aufträgen.

Erschwerend wirkt sich zur Zeit in diesem Zusammenhang das Fehlen von internationalen „Maßnormen“, besonders bei Halbzeugen, aus, weil bei Ausschreibungen von Anlagen naturgemäß die Verwendung von ausländischen Profilen vorgeschrieben wird, die für deutsche Lieferer schwer erreichbar oder oft so teuer sind, daß die Ausarbeitung eines Angebotes manchmal schon hierdurch illusorisch wird. Besonders schwierig ist das Kapitel der Maßnormen infolge der Verschiedenheit der Längenmaße (Zoll- und metrisches System).

Man erkennt aus diesen wenigen Beispielen, welch grundlegende Bedeutung die Normung in der internationalen Wirtschaft hat und wieviel Arbeit auf diesem Gebiet noch zu leisten ist, um den internationalen Warenaustausch von Unkosten und Hemmnissen vermeidbarer Art zu befreien. Die Vergangenheit hat gezeigt, daß der internationale Erfahrungsaustausch über die ISO mit den einzelnen ausländischen Normenausschüssen sehr gute Ergebnisse gezeitigt hat, und wie wichtig und nützlich es ist, Dinge, deren internationale Angleichung erwünscht ist, im Sinne einer Erleichterung der Weltwirtschaft im deutschen Normenwerk des DNA aufzunehmen.