Die aus dänischen Politikern und Historikern gebildete „Parlamentarische Kommission“ zur Untersuchung der Vorgänge vor und während der Besetzung Dänemarks veröffentlicht jetzt den ersten Band ihres insgesamt drei Bände umfassenden Berichtes. Aus ihm geht hervor, daß Hitler ursprünglich nicht die Absicht gehabt hat, die nordischen Staaten anzugreifen. Erst die Berichte der Abwehr, daß England beabsichtige, sich militärische Stützpunkte in Norwegen zu sichern, haben ihn bewogen, dem nordischen Feldzug zuzustimmen.

Besonders interessant ist die Zusammenstellung der Reaktionen, die die Bekanntgabe der deutschen Invasion im Ausland hervorrief. In Rom erklärte Graf Ciano, der von dem deutschen Botschafter von Mackensen die Mitteilung über den vollzogenen Schritt erhielt, er habe eigentlich den Angriff auf die Maginotlinie erwartet. Mussolini hingegen hielt die deutsche Aktion für kriegsnotwendig, denn wer zuerst komme, der mahle zuerst. Der japanische Botschafter verlangte während eines Gespräches mit von Weizsäcker den dokumentarischen Beweis für die Behauptung über einen bevorstehenden englischen Angriff auf Skandinavien. Er erhielt ihn nicht, und die japanische Presse zeigte sich in ihren Kommentaren sehr zurückhaltend. Besonders zustimmend war Moskaus Haltung. In einem Bericht des deutschen Botschafters von der Schulenburg an das Auswärtige Amt heißt es, daß Molotow die personifizierte Liebenswürdigkeit war und den Deutschen viel Glück in ihrer Aktion wünschte. Engdahl-Thygesen