Wenn man heute noch an manchen Stellen Bedenken hat, die Erkenntnisse der Arbeitswissenschaft und der Produktionstechnik anzuwenden, so steht meist die Furcht vor der Arbeitslosigkeit dahinter. Diese Furcht vor der Arbeitslosigkeit wiegt dabei offenbar schwerer als der Wunsch nach besserem Lebensstandard durch höhere Produktivität. Die Wirtschaftswissenschaft hat sich aber sehr ernsthaft mit diesem Problem befaßt und stellt sich positiv zur Rationalisierung.

Die technische Forschung und Entwicklung, die neue Rohstoffe erzeugt, schafft neue Arbeitsplätze und erfordert neue Arbeitskräfte. Andererseits wird sie aber auch, wie in der Landwirtschaft, durch bessere Kenntnisse der biologischen Bedingungen je Hektar mehr erzeugen und durch Anwendung besserer Maschinen die anfallende Arbeit in weniger Arbeitsstunden bewältigen. So ist in der amerikanischen Landwirtschaft die Produktion von 1870 bis 1930 vervierfacht worden, während die Arbeiterzahl nur verdoppelt wurde. Der Anteil der in der Landwirtschaft beschäftigten Arbeiter fiel von 1870 bis 1910 von 52 v. H. auf 33 v. H. aller Beschäftigten. Von 1910 bis 1920 aber gab die Landwirtschaft 2 Mill. Arbeiter an die Industrie ab, und seitdem fällt die Zahl der Landarbeiter noch weiter.

Mit steigender Mechanisierung und durch Verwendung künstlichen Düngers, Verbesserung der Saat- und Viehzucht und bessere Betriebsorganisation fiel der Arbeitsaufwand z. B. bei Baumwolle um 12 v. H., beim Weizen um 48 v. H. Auch die Verarbeitung von Milch, Butter und Käse wurde industrialisiert und setzte Arbeitskräfte frei.

Entwicklung der Produktion, Beschäftigung und Produktivität in der Landwirtschaft der USA

von 1870 bis 1930

Pro- Beschäfti- Pro-

duktion gung duktivität