Produktivitätssteigerung in einer Zeit der abgleitenden Konjunktur – was soll das eigentlich?!“ – so heißt es in Gesprächen über dieses Thema. Wer so fragt, weiß nicht, was „Produktivität“ eigentlich ist. Eine gute deutsche Übersetzung ist „Ergiebigkeit des Einsatzes von menchlicher Arbeitsleistung, mechanischer und elektrischer Energie, Rohstoff und Kapital in der Erzeugung, Verteilung und Verwaltung von Gütern“. Man kann nichts verbrauchen, was nicht zuvor erzeugt wurde und man kann es nur selten zu einem niedrigeren Preis erwerben als seine Erzeugung, Verteilung und Verwaltung gekostet hat. Die Steigerung der Produktivität ist also die Steigerung der Ergiebigkeit des Einsatzes und – vom einzelnen Menschen aus gesehen – die Steigerung der Kaufkraft einer Arbeitsstunde. Damit ist sie die Steigerung des inneren Wertes der Währung, die Steigerung des materiellen Lebensstandards: d. h. weitgehend die Überwindung der Übel, die uns am meisten Sorgen bereiten.

Es handelt sich dabei weder um eine Phrase noch um eine einmalige Stoßaktion, sondern es handelt sich um die Durchdringung unseres Arbeitslebens mit aufbauender Aktivität. Sicher ist beim Wiederaufbau seit dem Kriege Großes geleistet worden; das war aber die Wiederherstellung einer Produktion überhaupt: nun geht es um die schrittweise Erzielung so hoher Produktivität, wie sie in USA in jahrzehntelangen Anstrengungen erreicht worden ist.

Soll man angesichts der Skepsis, die in der einleitenden Frage liegt, die erforderlichen Maßnahmen einer staatlichen Planwirtschaft überlassen – etwa so wie vor zwanzig Jahren? Moderne Staaten neigen zu dieser Lösung – aber wäre das demokratisch? Man muß also wohl an die einzelnen Menschen den Appell richten, freiwillig das zu tun, was getan werden muß.

Wer von den arbeitenden Menschen sollte nun aus den Reihen der Skeptiker heraustreten und die Initiative übernehmen? In der Wirtschaft ist dazu derjenige prädestiniert, der das Recht – aber auch die Pflicht – der Verfügung über die Betriebsmittel hat, nämlich der Unternehmer. Seine Aufgabe ist es, zu „unternehmen“, initiativ zu werden. Darum richten sich jetzt alle Blicke auf ihn, um von ihm Mittel und Wege für die Steigerung der Produktivität zu erfahren, solange, er die Freiheit des Handelns hat.

Soll und kann er es aber alleine tun? Rechtlich und finanziell ist er allein Träger des Unternehmens, aber in der Exekutive ist es ja gerade das Wesen der modernen Wirtschaft, daß eine große Anzahl von Menschen im Betriebe organisiert zusammenarbeitet. Der Unternehmer muß daher seine Mitarbeiter überzeugen, daß Steigerung der Produktivität nicht Arbeitslosigkeit, sondern Vorteil aller durch gesteigerte Kaufkraft des Stundenverdienstes bedeutet.

Ein einzelnes Unternehmen oder wenige können außerdem die Aufgabe nicht lösen. Darum muß der Unternehmer sich bewußt werden, daß er auch „horizontal“ nicht allein ist: die Unternehmen müssen gemeinsam auf breiter Basis die Aufgabe lösen, ganz gleich wo sie stehen, ob in Industrie, Banken, Versicherungen, Transport, Bergbau, Landwirtschaft, Handel oder auch in den Behörden.

Der Verfasser kennt aus zahllosen Gesprächen die tausend Gründe, die es dem einzelnen angeblich unmöglich machen, die Produktivität seines Unternehmens zu steigern. Er kann denen, die so sprechen, nur raten, einmal „Mäuschen“ in ihrem Unternehmen zu spielen, aber nicht nur in der Fertigung, auch in der Verwaltung, im Lager, im Verkauf, in der Entwicklung und im Transport. Er braucht nicht selber „Mäuschen“ zu spielen; es gibt genügend „Mäuschen“, wenn er ihren guten Willen, Mängel aufzudecken und abzustellen, gewinnt: nämlich alle seine Mitarbeiter. Die kennen meist die Engpässe, Wartezeiten und Bürokratismen sehr gut und könnten Vereinfachungen von Methoden und Organisation und Möglichkeiten der Typisierung und Normung vorschlagen, wenn sie sicher sind, daß das ihr Vorteil und nicht ihr Schaden ist. Große Energien, die bisher meist ungenutzt lagen, wird der Unternehmer so aktivieren; es bleibt nur die Aufgabe, die Quelle nicht versiegen zu lassen.