Rlt. Düsseldorf, Ende Mai 1952

Die DEMAG bot anläßlich ihrer HV am 23. Mai einen Höhepunkt, an dem sich nicht nur die Verwaltung, sondern auch Kleinaktionäre mir Courage und Sachlichkeit beteiligten.

Die Kleinaktionäre erinnerten daran, daß ein wenig mehr Nachdruck hinter das Bestreben gesetzt werden müsse, den Dividendenstop aufzuheben. Wenn die Belegschaft 6 v. H. Verdienst-Dividende erhalte, so sei das gerade von den Aktionären her zu begrüßen. Es müsse aber diese Dividende auch mit dem gleichen Risiko versehen sein wie der Zins für das Kapital, das im Durchschnitt der letzten dreißig Jahre bei der DEMAG nur 3,3 v. H. Rendite erbracht habe.

Daß bei der DEMAG das Aktionärsinteresse mit dem Interesse der Gesellschaft und mit dem Interesse der Belegschaft eng verflochten ist, betonte der Aufsichtsrat in der HV mit Nachdruck. „Die sozialpolitische Entwicklung in unserem Unternehmen hat sich glücklich gestaltet. Wir verdanken dies dem schon vor fünfzehn Jahren freiwillig gefaßten Beschluß, in den zehnköpfigen Aufsichtsrat zwei langjährige und verdiente Belegschaftsmitglieder aufgenommen zu haben“, stellte Wilhelm Zangen als stellvertretender All-Vorsitzer fest. Das Realeinkommen habe sich bei der DEMAG-Belegschaft um 11 v.H. gegenüber 1938 gebessert. Die Gewerkschaften seien zwar gegen die Gewinnbeteiligung der Belegschaft; diese zeige aber einen richtigen, fortschrittlichen und dankbar begrüßten Weg.

Im Mittelpunkt der HV stand eine vorzügliche Rede des Vorsitzers des Vorstandes, Hans Reuter, mit dem nun schon in der dritten Generation ein Mitglied dieser Familie an der Spitze des Unternehmens steht. Nachfolgend einige der besonders interessanten Passagen:

„Die deutschen Maschinenexporte erreichten 1951 2,5 Milliarden DM, wertmäßig 90 v. H. und mengenmäßig 70 v. H. mehr als 1950. Aber gemessen an der deutschen Fertigwarenausfuhr liegt die Exportquote 1951 bei nur 27 v. H. gegen 30 v. H. in 1938. Bedauerlicherweise haben große Zeitungen Englands und Frankreichs wiederholt falsche Vergleichsziffern propagandistisch dazu ausgenutzt, um Alarm zu schlagen Und eine wiedererstandene Bedrohung der eigenen Exportanstrengungen durch Deutschland zu konstruieren. Dieser konkurrenzbedingten Nervosität gegenüber ist es nützlich, auf das Urteil der Genfer E. C. E. in ihrem Überblick 1951 hinzuweisen. Nach diesem Bericht hat das Wiederauftreten Deutschlands als Verkäufer auf dem Weltmarkt keinerlei ernsthafte Probleme für die anderen europäischen Exportländer aufgeworfen. Unsere Außenhandelspolitik muß bei einer solchen Stimmungsmache auf intensive Anstrengungen der Konkurrenzländer gefaßt sein, nämlich ihre Exporte auch durch Regierungsmaßnahmen zu verteidigen und zu steigern. Tatsächlich liegt nämlich im Vergleich zu den anderen großen Maschinen-Exportländern unsere Maschinenausfuhr noch empfindlich zurück.“

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