Was wird nach der Wiedervereinigung Deutschlands aus der Europa-Armee? Dieses Problem stand im Mittelpunkt des Kongresses der französischen Sozialisten. Die Kongreßteilnehmer wandten sich an ihre Delegierten, die sich kürzlich in Bonn mit Vertretern der britischen Labour-Party und der deutschen SPD getroffen hatten, um zu erfahren, wie sich-die Sozialdemokratische Partei Deutschlands, wenn sie nach der Wiedervereinigung an die Macht käme, zur Europa-Armee verhalten würde. Die Delegierten berichteten, sie hätten den deutschen Sozialdemokraten die Frage vorgelegt: „bürdet ihr in diesem Fall als Regierungspartei die von euren Bonner Vorgängern eingegangenen Verpflichtungen einhalten?“ Die Antwort der deutschen Sozialdemokraten habe gelautet: „Ja, aber nur, wenn diese Verpflichtungen gemäß der Verfassung eingegangen worden sind.“ (Da die deutschen Sozialdemokraten behaupten, die Unter-, schrift Adenauers, unter das Vertragswerk verstoße gegen die Verfassung, konnte diese Antwort den Kongreß wenig befriedigen.) Die Delegierten berichteten weiter, sie hätten ihre deutschen Genossen gefragt: „Würdet ihr das Angebot Stalins, eine nationale deutsche Armee zu bilden, annehmen?“ Grumbach berichtete, die deutschen Sozialdemokraten hätten in Bonn auf diese Frage geantwortet, jawohl, sie würden eine nationale deutsche Armee annehmen. Zwei andere Delegierte, die ebenfalls in Bonn gewesen waren, nämlich Guy Mollet und Le Bail, behaupteten jedoch, die deutschen Sozialdemokraten hätten das Gegenteil versichert, so daß der Kongreß nicht ein noch aus wußte. Man darf den deutschen Sozialdemokraten nach diesem Bericht wohl das Kompliment machen, daß sie sich sehr diplomatisch ausgedrückt und in keiner Weise festgelegt haben. Es fragt sich nur, ob diese Diplomatie etwas anderes ist, als die Bemäntelung ihrer eigenen Ratlosigkeit. P. B.