Zehn deutsche Lebensmittelspezialisten waren im vergangenen Sommer als erste ECA-Gruppe des europäischen Handels sieben Wochen in Amerika, um die dortigen Verkaufsmethoden für Lebensmittel zu studieren.

Diese Studienfahrt war durch Amerikaner veranlaßt, die sagten: „Ihr in Europa seid 20 bis 30 Jahre zurück.“ Einige der jetzigen Studienteilnehmer waren vor etwa 20 Jahren – zum Teil für längere Zeit – drüben, konnten daher Vergleiche ziehen und bestätigten diese Behauptung einstimmig: „So, wie die Lebensmittelgeschäfte heute bei uns aussehen und verkaufen, war es vor 20 Jahren auch in Amerika.“ Inzwischen aber haben sich drüben die Verkaufsmethoden und damit die Verkaufserfolge grundlegend geändert. In Amerika hat man inzwischen gelernt, durch Massenfabrikation und Massenabsatz sowie durch neue großzügige Verpackungs- und Verteilungsmethoden die Kosten (und Preise!) zu senken. Wenn auch die Amerikaner infolge ihres Rohstoff- und Energiereichtums, ihrer Überschußmärkte und ihres großen Kapitalmarktes es leichter hatten, neue Wege zu gehen, so ist das dort Erreichte doch in erster Linie ein Erfolg ihres Unternehmergeistes, der nicht (wie bei uns zum Teil noch) durch Überreste von Kommandowirtschaft und Versorgungsdenken beeinflußt ist.

Die Studienkommission berichtet, daß, als sie zuerst vor den amerikanischen Superläden stand, die Meinung aufkam: „Das hat gar keinen Zweck für uns, das kann man in Deutschland nicht machen.“ Aber nachdem die amerikanischen Methoden eingehend studiert worden waren und nachdem inzwischen die Dinge weiter durchdacht worden sind, wird auch für Deutschland die Möglichkeit gesehen, durch die richtige Anwendung (und Kombination) amerikanischer Methoden zu Massenumsätzen und damit zu niedrigeren Preisen zu kommen. Dabei wird es gar nicht einmal so sehr darauf ankommen, die Form der Selbstbedienung, die „drüben“ wegen der hohen Lohnkosten tonangebend ist, rundweg und als alleiniges Heilmittel zu übernehmen. Es gibt kein Patentrezept – außer dem, daß immer mehr aktive Menschen aus den Erfahrungen und Lösungen der fortschrittlicheren USA-Wirtschaft lernen und das für uns Mögliche und Beste in die Tat umsetzen.

Auch in Deutschland muß es möglich sein, über eine massierte Erzeugung und qualitätsmäßig orientierte Typisierung bei Industrie und Landwirtschaft, über rationelle Verpackungsmethoden, über zweckmäßige Läger und Transportvereinfachungen beim Großhandel, über bessere Gestaltung der Läden und Verkaufseinrichtungen beim Einzelhandel zu höherer Leistung, zu größerer Umschlagsgeschwindigkeit und damit zu einer Verbilligung für den Verbraucher zu kommen.

Dazu gilt es allerdings bei uns erst Breschen zu schlagen für eine großzügige und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Produktion, Landwirtschaft, Banken und Handel, die drüben einfach vorbildlich ist, und die auf Basis der Verbraucherwünsche (und Hand in Hand mit der Regierung!) sich neue Aufgaben stellt und sie meistert. Es gilt Breschen zu schlagen auch in den immer noch herrschenden Zunftgeist, in überflüssige und erschwerende Behördenvorschriften die (wie zum Beispiel beim Lagerbau) „Sicherheiten“ vorschreiben, die einer einwandfreien, rationellen Lagerhaltung nur im Wege stehen. Die Wirtschaftlichkeit im Verkauf beginnt „drüben“ bei der Produktion, sowohl in den Fabriken wie bei der Landwirtschaft. Eine große Rolle spielen die landwirtschaftlichen Absatzgenossenschaften.

Zum Beispiel: fast sämtliche Walnußerzeuger, Kaliforniens haben sich in einer Genossenschaft zusammengefunden und lassen ihre gesamten Ernten an einer Stelle verarbeiten. Erfolg: Durch die Zusammenballung an einem Platz ergeben sich die für uns unvorstellbar niedrigen Kosten von 1,2 cts je Packung, um die Walnüsse zu schwefeln, zu waschen, zu sortieren, die Nüsse der ersten Qualität einzeln – 5300 in der Minute – zu stempeln und etwa 90 v. H. der gesamten Ernte in doppelten, sterilisierten Cellophanbeuteln, zu je 1 lb zu verpacken. Leistung 1 t in zwei Minuten. Oder: die Farmen, wo die Kühe auf kleinen Weiden mit Heu, Schrot und Kraftfutter gefüttert, um 1 Uhr mittags und 1 Uhr nachts maschinell gewaschen und gemolken werden (nur solange sie eine Höchstleistung an Milch erbringen – rund ein Jahr –, danach kommen sie zur Mast und als wirklich vollwertige Tiere zum Schlachtmarkt), senden die Milch vom Melkvorgang weg in Kühlwagen zu großen Genossenschaftsmeiereien, wo sie pasteurisiert, in Flaschen oder Perga-Kartons gefüllt und zu den Verkaufsstellen gebracht wird: immer unter der gleichen Kühltemperatur. Erfolg: große Steigerung des Frischmilchumsatzes. – Wenn es neue Produktions- und Verkaufsprobleme oder Verbraucherwünsche gibt, so findet man gemeinsam die Lösung, immer jedoch aus der eigenen Mehrleistung heraus und nicht durch Zugeständnisse von anderer Seite oder durch staatliche Hilfe. Beispiel: Unterbringung der überhöhten Milchproduktion durch Riesenumstäze in Eiscreme in vorzüglicher Qualität (16 v. H. Butterfett).

Alle Produkte sind standardisiert. Man kann Lebensmittel waggonweise nach Beschreibung kaufen und erhält sie auch so geliefert.