Wissenschaftliche Forschung und Erfindung sind Gebiete, auf denen Deutschland Beachtliches aufzuweisen und damit einen nennenswerten Beitrag auch zur wirtschaftlichen Entwicklung der USA geleistet hat. Stahl, Chemie, Maschinenbau – auf allen diesen Gebieten hat Deutschland immer wieder neue Erzeugnisse und Verfahren herausgebracht, die in Amerika vielfältige Anwendung fanden. Umgekehrt glaube ich, daß die amerikanische Industrie zumindest vier Ideen entwickelt hat, deren Anwendung der deutschen Industrie zum Nutzen gereichen könnte. Es würde dies wesentlich dazu beitragen, die deutsche Wirtschaft zu stärken, die Beschäftigungsmöglichkeiten auf eine breitere Basis zu stellen und den Lebensstandard der Bevölkerung zu heben.

Zunächst sind die USA auf dem Gebiet der Absatzförderung fortschrittlicher. Bei uns wird die Technik der Marktforschung weitgehender angewandt – eine Forschung, die dem Fabrikanten zeigt, was der Verbraucher haben will, was er nicht haben will, was ihm gefällt und was er an dem Produkt, der Aufmachung und den Absatzmethoden auszusetzen hat.

Reklame wird hier viel mehr und wirksamer als in Deutschland betrieben. Die Werbung spielt für den Absatz dieselbe Rolle, wie die Werkzeugmaschine in der Fabrikation. Sie ist die billigste Methode, die Leute zu unterrichten. In Amerika wird das Prinzip der Produktivität auf die Absatzförderung ebenso angewandt, wie auf die Herstellung. Einen großen Teil dieser Arbeit nehmen Werbe-Agenturen auf sich – Organisationen mit geschulten Fachleuten, deren Dienste vielen Erzeugern zur Verfügung stehen. Auf diese Weise kann der einzelne Erzeuger auf Fachkräfte zurückgreifen, mit nur einem Bruchteil des Kostenaufwandes für die Anstellung eigener Fachleute. Meines Wissens gibt es keine Agentur dieser Art in Deutschland.

Zweitens haben wir in Amerika die Bedeutung der „Public Relations“ erkannt, was soviel heißt wie „Fühlunghalten mit der Öffentlichkeit“. Dies ist ein neuer Zweig der Geschäftsführung, der sich hier immer mehr einbürgert. „Public Relations“ heißt Gutes tun und es anderen zur Kenntnis bringen. Es ist ein Abwägen dessen, was der Öffentlichkeit frommt, und wie diese auf das Vorgehen eines Unternehmens reagiert. Jedes Geschäftsunternehmen hat sein eigenes Publikum: die Angestellten, Kunden, Aktionäre, seine Grossisten und Einzelhändler ’sowie die Einwohnerschaft am Geschäftssitz der Fabrik. „Public Relations“ heißt, die Einstellung aller Gruppen innerhalb des „Publikums“ der Firma zu studieren. Es bedeutet, die Öffentlichkeit mit den Problemen des Unternehmens vertraut zu machen und ihr Kenntnis zu geben von dem, was die Gesellschaft unternimmt, um diese Fragen nun im Sinne aller, die mit ihr zu tun haben und in Berührung kommen, zu lösen.

In Amerika gibt es eine wachsende Zahl von Leuten, die sich berufsmäßig mit „Public Relations“ befassen. Einige arbeiten für bestimmte Gesellschaften, andere betätigen sich als beratende „Public-Relations“-Sachkenner und stehen, genau wie Werbeagenturen, einer Reihe von Geschäftsunternehmen zur Verfügung. Soviel ich weiß, gibt es nur ganz wenige solcher Leute in Deutschland, und im Deutschen keinen gemeingültigen Ausdruck, der unserem „Public Relations“ einigermaßen entspricht.

Drittens befaßt sich die amerikanische Industrie seit längerer Zeit mit der Schulung leitender Angestellter für verantwortliche Tätigkeit an oberster Stelle. Tausende amerikanischer Firmen verfolgen bestimmte Richtlinien für die Fortbildung auf dem Gebiete der Geschäftsführung. Hochschulen und Universitäten bieten Schulungslehrgänge nicht nur für Studenten, sondern auch für bereits erfolgreich tätige leitende Persönlichkeiten in verantwortlichen Positionen. Diese Programme bezwecken zweierlei: einmal die Schulung von Männern in leitenden Stellungen, um sie noch mehr für diese Tätigkeit zu befähigen, und zum anderen: die mit untergeordneter Tätigkeit in der Geschäftsführung befaßten Kräfte für die oberste verantwortliche Leitung heranzubilden. Nach amerikanischer Auffassung hat die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts den größten technischen Aufschwung aller Zeiten erlebt. Die zweite Hälfte dieses Jahrhunderts muß nun den entsprechenden Fortschritt in der Kunst und der Wissenschaft des Verwaltens und der Betriebsführung zeitigen.

In Deutschland, wie überhaupt in Europa, wird wenig getan, um Kräfte für die Ausübung einer verantwortlich leitenden Tätigkeit heranzubilden. Die Hochschulen und Universitäten in Europa haben sich mit diesem Gebiet noch kaum befaßt und nur wenige europäische Gesellschaften haben ein solches Schulungsprogramm aufgestellt.