Junge Dichter beschreiben den Bankrott der Ideale

Von Paul Hühnerfeld

Milo Dor: Tote auf Urlaub. Roman. (Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart, 483 S., Leinen.)

Dieter Meichsner: Weißt Du, warum? (ro-ro-ro-Taschenbuch, Rowohlt Verlag, Hamburg, 186 S., 1,80 DM.)

Milo Dor, der deutsch schreibt; ist Serbe, und die Personen seines Romans sind junge serbische Intellektuelle im besetzten und befreiten Belgrad: Kommunisten, verfolgt von den Deutsehen, verraten von der eigenen Partei. Milo Dor schildert den jungen Nladen, einen Trotzkisten: gefangengehalten von den Nationalserben, der Gestapo und den Russen, in kurzen Zwischenzeiten, die ihm die „Wärter“ lassen, Fremdarbeiter in Österreich und Deutschland. Nladen ist eher ein Durchschnittsintellektueller mit einem scharfen Verstand und einem Schuß Blasiertheit. Nun aber zerbricht er in einer Welt, die zu einem einzigen Lager mit Stacheldraht geworden ist. Milo Dor schildert aber auch Schulkameraden von Nladen, die Partisanen geworden sind. Sie sind aus dem Lager entwichen, hausen in dunklen Schlupfwinkeln, in Wäldern, überfallen, rauben, foltern, töten...“ Ganz ähnlichen Tätigkeiten gibt sich die dritte Gruppe hin, nur daß sie sich nicht versteckt: die Gestapo. Denn es ist eines der überraschendsten Ergebnisse dieses Romans, daß man erfährt, wie wenig sich Partisanen von ihren Henkern unterscheiden.

Die Aussage ist mehr als Reportage: sie wird zum wirklichen Roman einer leidenschaftlichen und gleichzeitig doch auch eigentümlich haltlosen Jugend, die keine Achtung vor dem Leben der andern kennt und doch Menschlichkeit vermißt. Diese „Toten auf Urlaub“ sind in besonders greller Weise lebendig: sie töten, lieben, foltern und zerstören um jeden Preis – bis wieder Kanonendonner vom Osten erschallt und die Panzer der Roten Armee zur Befreiung antreten. Die aber überstehen die meisten nicht mehr. Nun erst, unter den Fittichen der Weltrevolution, werden sie zu leblosen Puppen, dieweiterleben, resignieren oder auch sterben. Nun erst sind sie tot.

*