Der Vorsitzende des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT), Präses Albert Schäfer-Hamburg, erklärte auf der Jahresversammlung in München, daß die eine Milliarde Investitionshilfe nur als Initialzündung für die Grundstoffindustrie gedacht sei. Der wirkliche Bedarf dieser Industrien könne mit 7 bis 8 Mrd. eingesetzt werden. Dank der verbesserten Wirtschaftslage sei jedoch jetzt die Möglichkeit einer gewissen Selbstfinanzierung gegeben. – Der Vorstand des DIHT nahm ferner zu den Forderungen des Bundesfinanzministers (40 v. H. Aufkommen aus der Einkommen- und Körperschaftssteuer für den Bund) positiv Stellung: bei einem Steueraufkommen von 19,3 Mrd. und einem Bedarf von 23 Mrd. DM dürfe dem Bunde die geforderte 40prozentige Quote nicht versagt werden.

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Bei der Volltagung ergriffen der bayerische Wirtschaftsminister Dr. Hans Seidel, der Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen, Dr. Jakob Kaiser, und Dr. Richard Merton, von der Frankfurter Metallgesellschaft, das Wort. Das Referat von Dr. Merton beschäftigte sich, anknüpfend an Worte des Ministers Kaiser über die Integrierung des Ostens, mit der Integrierung Europas.

„Eine Zollunion“, so führte Dr. Merton aus, „kann streng genommen, erst der letzte Schritt sein; der erste muß eine Währungsunion sein. Als im Deutschen Zollverein die Grundlage zur politischen Einheit Deutschlands geschaffen wurde, da waren die Währungen frei austauschbar ... Es scheint mir mitunter, als ob man mit dem Schuman-Plan das Pferd beim Schwanz aufzäumte.“

„Integration“ bedeute nichts anderes als die Schaffung von großen Räumen, fuhr Dr. Merton dann fort; dazu habe er schon seit langem die Schaffung einer Zentralbank für Europa vorgeschlagen. Insbesondere habe er darauf gedrängt, daß beim Auslaufen des Marshall-Planes freie Dollars als Währungsfonds zur Verfügung gestellt würden. Die Europäische Zentralbank solle dann das Haupt eines europäischen „Federal Reserve Systems“ bilden, dem die nationalen Zentralbanken angeschlossen würden, „etwa wie jetzt die Landeszentralbanken mit der BdL zusammenarbeiten“.

„Ein Beginn muß gemacht werden mit der Schaffung einer Zentralbank für die Schuman-Plan-Länder. Es wäre wahrscheinlich nicht praktisch, die Bank von England, die die Funktion einer Zentralbank für den Sterling-Block übernimmt, sofort in dieses System mit hineinzunehmen ... Es ist nicht mit Unrecht gesagt worden, daß, wer das Geld- und Kreditwesen beherrscht, die Macht hat. Daher fällt es den Ländern schwer, auf die ‚Währungshoheit‘ zu verzichten. Aber der Vorschlag, daß jede Notenbank in den USA sich ihren Reservefonds selber suchen solle, ist unpraktisch, und es ist nicht anzunehmen, daß Amerika, für das die meisten europäischen Länder ziemlich kleine Staatsgebilde sind, so die Zersplitterung weiter unterstützen werde.“

Der Vorschlag Dr. Mertons geht also dahin, die Europäische Zentralbank mit einem Währungsfonds von 3 Mrd. $, zinsfrei auf 50 Jahre, auszustatten. Nicht nur die deutschen Ostgebiete würden bei einer solchen Integration politisch und wirtschaftspolitisch wieder angeschlossen werden – vielmehr dürfte sich, wie Dr. Merton einigermaßen optimistisch meint, der „Wirtschaftliche Großraum“ auf den ganzen Osten ausdehnen, soweit zu ihm von alters her die engsten natürlichen Wirtschaftsbeziehungen bestanden. Gemeint ist hier also wohl „Zwischeneuropa“, das Gebiet der Satellitenstaaten.