Der Altersaufbau der deutschen Unternehmerschaft ist ein Spiegel der allgemeinen Situation: einer verhältnismäßig breiten Schicht der über Fünfundfünfzigjährigen folgt die durch Kriegswirkungen besonders stark dezimierte nächste Generation zwischen 35 und 55 Jahren, während die Altersklasse der heute Zwanzig- bis Fünfunddreißigjährigen wieder stärker besetzt ist. Es fehlt an einer zahlenmäßig ausreichenden mittleren Generation‚ welche die Nachfolge der heute führenden Unternehmer antreten könnte. Der ältere Unternehmer muß nicht selten in der Leitung seines Betriebes bleiben, bis er – statt des fehlenden Sohnes – der Generation der Enkel die Verantwortung übergeben kann. Diese jüngste Generation aber war durch Wehrdienst und oft langdauernde Gefangenschaft im Erwerb der beruflichen und fachlichen Kenntnisse während vieler Jahre behindert.

Indessen deuten alle Beobachtungen darauf hin, daß die Unternehmerschaft der jüngsten Generation nach Kräften bemüht ist, die unverschuldeten Lücken zu schließen. Aus diesem Bestreben gingen in den letzten Jahren, zum Teil frühzeitig gefördert durch die Industrie- und Handelskammern, die sogenannten „Junioren-Kreise“ hervor. Zu den Junioren zählen nach Auffassung des Deutschen Industrie- und Handelstages nicht nur die Söhne, Töchter oder Erben der kleineren und mittleren Familienbetriebe, sondern auch die für Führungsaufgaben geeigneten Nachwuchskräfte in den Großbetrieben. Der Schwerpunkt der Juniorenarbeit liegt darin, den jungen Unternehmer an die wirtschafts- und sozialpolitischen Verantwortlichkeiten der Unternehmerschaft und ihrer Zusammenschlüsse heranzuführen und ihn damit vor der Gefahr des Spezialisten, dem der Blick für größere Zusammenhänge fehlt, zu bewahren.

Die unter dem Eindruck der Kriegs- und Gefangenschaftserlebnisse stehende jüngste Unternehmergeneration bringt gerade auf sozialpolitischem Gebiet günstige Voraussetzungen mit, da diese Erlebnisse gemeinsam mit zahlreichen heute in ihren Betrieben beschäftigten Arbeitnehmern bestanden wurden. So werden auf diesem Gebiet manche Probleme der „Human Relations“ gar nicht erst akut, wenn nicht von dritter Seite absichtlich gestört wird. Anders verhält es sich mit dem Verständnis für Fragen der Wirtschaftspolitik, die über den betrieblichen und fachlichen Horizont hinausgehen. Hier bedarf es der Mithilfe durch diejenigen Organisationen der Wirtschaft, die für die Bearbeitung der großen Querschnittsaufgaben besonders berufen sind. Ihr besonderes Anliegen muß es sein, diese Probleme der jungen Unternehmerschaft ihres Bezirkes nahezubringen und sie zur Mitwirkung in den Organen der Kammern heranzuziehen.

Bis heute sind bei mehr als der Hälfte der 80 Industrie- und Handelskammern des Bundesgebietes „Junioren-Kreise“ gebildet worden; weitere sind im Kommen. Ihre Arbeit vollzieht sich in vielfältigen Formen, die vom klubartigen Zusammenschluß bis zum eingetragenen Verein reichen. Da es sich gezeigt hat, daß der gute Wille der Junioren zur Mitarbeit bei allzu straffer Führung von Seiten der „Senioren“ bald erlahmt, hat auch der DIHT bisher davon abgesehen, einheitliche Richtlinien für die Juniorenarbeit zu empfehlen. Dagegen lud er kürzlich zu einem Treffen der Junioren-Kreise der Industrie- und Handelskammern ein, bei dem die jungen Unternehmer selbst das Wort führten. Zweck dieser ersten Tagung auf Bundesebene war das gegenseitige Kennenlernen und ein Erfahrungsaustausch über die praktische Arbeit. Zwei der Jugend nahestehende Abgeordnete des Bundestages sprachen über die Aufgabe des jungen Unternehmers im öffentlichen Leben.

Die Junioren-Kreise der Industrie- und Handelskammern unterhalten freundschaftliche Beziehungen zu den bei anderen Wirtschaftsorganisationen bestehenden Zusammenschlüssen ähnlicher Art. Überhaupt erweist sich mehr und mehr, daß sich der junge Unternehmer keinesfalls streng an die Grenzen der verschiedenen Organisationen zu halten gedenkt, und es ist nicht zu verkennen, daß in der jüngsten Generation gewisse Ansätze für eine die bisherigen Verbände überspannende Gemeinschaftsorganisation der deutschen Unternehmerschaft vorhanden sind. Es gilt, diese Bestrebungen in enger Zusammenarbeit mit den bestehenden Verbänden und den jungen Unternehmern selbst\ zu fördern.