Dichter, trainiert euch im Schwimmen, übt euch im Weitsprung, im Kugelstoßen“, so heißt es in einem neuen Gedicht Johannes R. Bechers, das zusammen mit dem „Nationalen Pathos“ auf dem „3. Deutschen Schriftstellerkongreß“ der sowjetdeutschen Literaten soeben in Ostberlin gepriesen wurde. Gepriesen als ein Muster jener Poesie, die nach Bechers Worten „von der Sowjetliteratur, der Befreierin der Poesie von all den niederträchtigen Verleumdungen und Verfolgungen, denen sie im kapitalistischen, poesiefeindlichen Zeitalter ausgesetzt war“, geschaffen wurde. „Weder Kraft noch Blut“ will der neue Generalsekretär des sowjetdeutschen Schriftstellerverbandes Kurt Bartels, genannt Kuba, schonen, um „die DDR mit anderen Mitteln als der Feder zu verteidigen“.

Sie tagten und ließen gewaltige Reden hören, durch die das wiedererweckte „nationale Pathos“ donnerte. Sie ließen sich eine Fahne von der Max-Hütte Unterwellenborn überreichen, unter der Kuba kämpfen, schreiben und Blut lassen will – er nannte diese Fahne das „Banner der unteilbaren deutschen Literatur“. – Sie versprachen sich zum Wartburgtreffen der „deutschen Geistesschaffenden“ im Sommer wiederzusehen, sie beklatschten und feierten eine Rede Mao Tsetungs. Sie blieben ganz unter sich, nur Johannes Tralow, ein Westdeutscher, teilte ihr nationales Pathos... C.W.