Die Erweiterung des Produktionsprogramms und die damit verbundene Taufe eines neuen „Matador“-Typs nahm die Vidal & Sohn Tempo-Werk GmbH., Hamburg-Harburg, zum Anlaß, der westdeutschen und Westberliner Presse einen Einblick in das soziale Klima dieses vitalen Unternehmens zu vermitteln. Abseits der Groß-Stadt- und Werkatmosphäre geschah dies in dem reizvoll am Hange des Bruchberges in Altenau gelegenen Erholungsheim des Unternehmens, von dem man einen weiten Blick über das beschauliche Harzstädtchen und das Okertal mit seinen weiten Fichtenwäldern hat. Hier finden die Belegschaftsmitglieder des Tempo-Werkes mit ihren Familienangehörigen Entspannung; hier wird auch den Lehrlingen des Unternehmens Erholung geboten. Aus dem Munde von Oscar Vidal erfuhr man, daß der Aufwand des Werkes für soziale Leistungen in den letzten Jahren über 20 v. H. der Lohn- und Gehaltssumme betragen hat. Er betonte dabei, daß dieses Erholungsheim nur ein kleiner Ausschnitt des „Tempo“-Sozial-Programms sei. Zu ihm gehören ferner: Schaffung gesunden Wohnraums, gesundheitliche Betreuung, finanzielle Hilfe in Krankheits- und Notfällen für Belegschafts- und Familienmitglieder, Unterhaltung einer Werkkantine, Förderung kultureller Bestrebungen, ausreichende Altersversorgung und schließlich die Gewinnbeteiligung.

Oscar Vidal sagte sehr deutlich, daß eine gesunde innerbetriebliche Atmosphäre die Hauptvoraussetzung für fast jeden wirtschaftlichen Erfolg sei und der Aufwand auf dem sozialen Gebiet durch verbesserte Leistung und einen harmonischen Betriebsablauf ausgeglichen werde. Wenn er auch in gewohnter Bescheidenheit seinen sozialen Erfolgen das Prädikat „besondere Leistungen“ verwehrte, so stellte dieses Kolleg gerade in den Tagen des verschärften Kampfes der Gewerkschaften um die Schaffung eines größeren Einflusses in den Betrieben eine sehr klare Definition der Leistungen auf der Unternehmerseite dar. Es konnte nicht überraschen, daß dieser vitale und aufgeschlossene Unternehmer den von den Gewerkschaften eingeschlagenen Weg mißbilligte.

Die Tempo-Werk GmbH, hatte im Juli 1950 die Fertigstellung ihres 100 000. Wagens geleiert. Inzwischen sind weitere 30 000 gebaut worden. Von den 130 000 Wagen sind heute noch mehr als die Hälfte in allen Teilen der Welt in Betrieb. Neben den Dreirad-Lieferwagen hat sich in den letzten Jahren der Vierrad-Kleinlaster „Matador“ durch ansteigende Absatzziffern im In- und Ausland ausgezeichnet. Aus dem bisherigen „Matador“ wurden jetzt zwei neue Typen geschaffen: „Matador 1400“ und „Matador 1000“. Ersterer erhielt einen von den Heinkel-Werken, Stuttgart-Zuffenhausen, entwickelten wassergekühlten 4-Zylinder-4-Takt-Motor mit einer Leistung von 34 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h. Die Nutzlast ist 1,4 t. Der zweite „Matador“-Typ blieb ein Eintonner, er bekam eine wassergekühlte 3-Zylinder-Maschine (2-Takt) mit einer Leistung von 26 PS und einer Geschwindigkeit von ebenfalls 80 km/h. Dieser Motor wurde von Ing. Müller, Andernach, aus der 2-Zylinder-Maschine weiterentwickelt, die sich im Dreiradwagen „Hanseat“ so trefflich bewährt. Bei der vorbildlichen Gewissenhaftigkeit, mit der im Tempo-Werk geplant und gearbeitet wird, darf man davon überzeugt sein, daß auch die neuen technisch erheblich verbesserten „Matador“-Typen sich in Deutschland und im Ausland schnell einen großen Freundeskreis schaffen werden.

Anerkennung aber verdient die Feststellung von Oscar Vidal: „Es wäre zu begrüßen, wenn eine Verständigung innerhalb der Autoindustrie über die Typenbegrenzung erfolgen könnte und die Stückzahlen der einzelnen Typen damit erhöht werden würden.“ Man sollte sich an verantwortlicher Stelle damit beschäftigen, ehe es zu spät ist... ww.