Die Rohstoff- und Lebensmittelmärkte der Welt blieben in der zweiten Maihälfte im allgemeinenruhig. Außer vom Wollmarkt und von den Getreidemärkten wurden größere Umsätze nicht gemeldet. Die Käufer warten weiter; ab und nehmen meist nur kleinste Bedarfskäufe vor, die häufig schon leichte Preiserhöhungen bewirken, aber am nächsten Tage tendieren die Märkte oftschon wieder nach unten. Von 26 wichtigen Welthandelsartikeln, die an den Börsen gehandelt werden, sind in der Berichtsperiode 10 im Preise zurückgegangen. 12 sind – von den täglichen Schwankungen nach unten oder oben abgesehen – unverändert geblieben und nur 3 haben Preiserhöhungen aufzuweisen.

Auf den Getreidemärkten gab Weizen an der Chikagoer Börse von 246 3/4 cts auf 234 cts für den I. Termin nach. Zurückzuführen ist diese erhebliche Abschwächung auf umfangreiche Glattstellungen im Mai-Kontrakt, günstige Ernteschätzungen und gute Nachrichten aus Australien über noch zu erwartende Ausfuhren, sowie größere Anbauabsichten für die kommende Saison und auch auf Kaufzurückhaltung des Auslandes. Mais hat, von den täglichen Preisschwankungen abgesehen, seinen Preisstand gut gehalten und Roggen hat zunächst kräftig im Preise angezogen, dann aber weder nachgegeben, obwohl die amerikanischen Ernteaussichten alles andere als günstig sind.

Auf dem Markt für Öle und Fette sind Preisveranderungen von Bedeutung für Ölsaaten und vegetabilische Die nicht zu verzeichnen gewesen; nur philippinische Kopra hat sich – nach stärkerem Preisrückgang in der eisten Hälfte des Monats – später wieder erholt und notierte zuletzt 132,50 $ je short t. Dagegen haben tierische Fette nach anfänglicher Preissteigerung wieder im Preise nachgegeben. Das Geschäft auf diesem Gebiet ist nach wie vor schlepperd: Handel und Verbraucher sind sich wegen der günstigen Ernteaussichten in den wichtigsten Produktionslänlern noch immer im Zweifel über die zukünftige Preisentwicklung, obwohl vielfach die Meinung vertreten wird, daß der tiefste Preisstand bereits erreicht oder gar schon wieder überholt ist Aber selbst von Optimisten werden Vorratskäufe zur Zeit nicht vorgenommen.

Von der am 19. Mai begonnenen Sitzung des Internationalen Baumwoll-Ausschusses, in der u. a. über ein internationales Baumwollabkommen mit Preis- und Abnahmeverpflichtungen nach Art des Weltweizenabkommens beraten wird, liegen konkrete Nachrichten noch immer nicht vor. Infolge der verschlechterten Absatzverhältnisse und der guten Ernteaussichten zeigt sich bei den Produktionsländern natürlich ein großes Interesse an einem solchen Abkommen, dagegen erscheint es zweifelhaft, ob die Verbraucherländer bereit sein werden, sich auf lange Sicht zu binden. – Da die statistische Lage des Baumwollweltmarktes beim besten Willen nicht mehr als angespannt bezeichnet werden kann, hat das Amt zur Stabilisierung der Wirtschaft in USA vor einigen Tagen die bisherige Preiskontrolle für Rohbaumwolle, gleichzeitig aber auch für alle Textilien, einschließlich der aus Wolle, Baumwolle und Chemiefasern hergestellten Erzeugnisse, bis auf weiteres aufgehoben. Die Preiskontrolle für Rohbaumwolle soll automatisch wieder in Kraft treten, wenn der Großhandelspreis für weiße und extra weiße Middlings von 15/16 Zoll Fasernlänge 43,39 cts je Ib erreicht oder überschreitet. Der bisher geltende Höchstpreis betrug demgegenüber 45,39 cls je lb; er ist aber seit Anfang des Jahres auch nicht annähernd erreicht worden. Zur Zeit liegt die Notierung für Lokoware bei 39,70 cts je lb.

Nach einer Mitteilung der Wollmakter-Vereinigung in Sydney erbrachte die Wolle, die in den ersten 10 Monaten der laufenden Wollsaison, d. h. bis zum 30. April d. J., auf den australischen Wollauktionen angeboten wurde, nur 263,51 Mill. ein gegen 568,43 Mill. in der gleichen Zeit der Saison 1950/51. Verkauft wurden im ganzen 2 904 148 Ballen gegen 3 041 731 Ballen. Für Schweißwolle wurde ein Durchschnittspreis von 73,37 d australischer Währung je Ib erzielt gegen 150,77 d im Jahr vorher, für gewaschene Wolle 102,64 d gegen 175,74 d. Der vom Wollhandel so sehr betonte Preisauftrieb der letzten Wochen macht sich somit in dem erzielten Gesamtpreis, der noch immer – wie schon vor Monaten – weniger als die Hälfte des im Vorjahre erzielten Ertrages beträgt, nicht allzusehr bemerkbar. Die Aufwärtsbewegung der Preise auf den Wollauktionen in den Ursprungsländern und in London führte am Bradforder Kammzugmarkt zu einer kräftigen Befestigung. Allerdings wird betont, daß das Geschäft gegenwärtig noch nicht besonders umfangreich sei, jedoch hätten in den letzten zwei Wochen beträchtliche neue Aufträge gebucht werden können. Als wenig befriedigend wird dagegen die Tatsache bezeichnet, daß die Garnpreise nicht ebenso gestiegen sind wie die Kammzüge, was auf das noch immer fehlende Kaufinteresse der verarbeitenden Industrie zurückzuführen ist. Auf der anderen Seite wird aus Australien berichtet, daß sich die dortige Textilindustrie in allen ihnen Zweigen in einer sehr schwierigen Lage befinde, und daß der Versorgungsminister deshalb umfangreiche langfristige Aufträge an Lieferung von Heeresausrüstung erteilt habe, die jedoch im Höchstfalle 10 v. H. der Produktionskapazität der australischen Textilindustrie erreichen. Auch die Nachrichten aus den Textilstandorten der übrigen Produktionsländer lauten vorläufig noch wenig hoffnungsvoll. Man hat überall noch mit Abnahmeschwierigkeiten zu kämpfen, die auf große Lagerhaltung der Webereien, des Groß- und Kleinhandels und vor allem der Käuferschaft zurückzuführen ist, deren Kaufkraft bei der allgemeinen Teuerung nicht ausreicht, um die noch immer recht hohen Preise für bessere Stoffe anzulegen.

Auf den Metallmärkten herrscht noch immer Windstille. Käufer für Blei und Zink sind schwer zu finden. Auf der anderen Seite haben auch die Verkäufer keine Neigung, Offerten abzugeben, weil schon die bloße Tatsache, daß Metall offeriert wird, auf den Markt drückt. Sie ziehen es deshalb vor, darauf zu warten, daß gelegentliche Käufer an sie herantreten. Blei wird auf dem freien Markt mit ca. 105 £ je t cif Kontinent bewertet und Zink zu Preisen angeboten, die zwischen 135 und 140 £ elf Kontinent liegen. Beide Metalle sind gegen Zahlung in Sterling verfügbar. Für Kupfer ist es dagegen schwer, einen Marktpreis festzustellen. – Es verlautet aber, daß Sterling-Kupfer zu 300–310 £ je t und $-Kupfer zu 331/2–34 cts je lb – 268 bis 272 £ je t zu haben ist. Größere Mengen sind nur gegen Dollarzahlung zu erhalten. Die amtlichen Metallpreise sind sowohl in England wie in USA unverändert geblieben. In den Vereinigten Staaten ist der Höchstpreis für Auslandskupfer neuerdings aufgehoben, und den amerikanischen Kupferverbrauchern ist es freigestellt worden, Kupfer aus dem Auslande zu jedem Preise zu kaufen, den sie anzulegen bereit sind. Chile verlangt für solche Käufe gegenwärtig 33 bis 34 $cts je Ib. o l