Die Werbung, als eine dynamische Kraft, die nicht nur eine größere wirtschaftliche Konstanz des Verbrauchs zur Sicherung der Produktion zu erreichen versteht, sondern auch die Kräfte in der Volkswirtschaft zu mobilisieren vermag, war in ihrer Ausgestaltung bis 1933 keiner gesetzlichen Regelung unterworfen. Gegen marktschreierische Übertreibungen einer gewissenlosen Reklame fehlten Gesetzesbestimmungen ebenso wie gegen Geschmacklosigkeiten. Zwar gab es das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb vom 7. Juni 1909, durch das bei Anwendung von Mitteln im wirtschaftlichen Wettbewerb, die gegen die guten Sitten verstießen, Unterlassung und Schadenersatz in Anspruch genommen werden konnte – aber das Recht zum Vorgehen gegen unzulässige Wettbewerbsäußerungen stand nur den Mitbewerbern oder deren Interessenvertretungen zu. Erst durch das Gesetz über die Wirtschaftswerbung vom 12. September 1933 und die in den Jahren 1933 bis 1939 erlassenen Bekanntmachungen des Werberats, die als reines Werberecht anzusprechen waren, wurde versucht, auf neuen Wegen zu einem geordneten und gesetzlich geregelten Werbewesen zu kommen. Die Werbung sollte einem Werberecht unterstellt und damit aus der Sphäre des Wettbewerbs herausgehoben werden.

An die Stelle des Werberats, dessen Bekanntmachungen nicht mehr in Kraft sind, ist der Zentralausschuß der Werbewirtschaft (2AW) als freiwilliger Zusammenschluß aller an der Wirtschaftswerbung interessierten Wirtschafts- und Berufsverbände getreten. Eines der Organe des ZAW ist der Wissenschaftliche Beirat, der u. a. auch die Aufgabe hat, Forschung und Lehre auf dem Gebiet der Werbung anzuregen. Zu diesem Zweck gibt er eine Reihe von Monographien aus dem Gebiet der Wirtschaftswerbung heraus, als deren erster Band im Verlag W. Girardet in Essen ein sorgfältig ausgestattetes, von dem Hamburger Universitäts-Professor und Anwalt für Wettbewerbsrecht Dr. Kurt Bußmann und seinem Mitarbeiter Dr. Droste bearbeitetes Buch Werbung und Wettbewerb im Spiegel des Rechts“ erschienen ist. In weiser Beschränkung umfaßt diese Darstellung die Hauptgrundsätze des allgemeinen Wettbewerbs- und Warenzeichenrechts und berührt die werblichen Randgebiete. In sechs Abschnitten findet der Leser Antwort auf alle Fragen des Werberechts, wie sie täglich im Wirtschaftsleben vorkommen. Es ist zu wünschen, daß diese Veröffentlichung in der Reihe „Grundriß der Werbung“ einem weiten Kreis von Werbungtreibenden – Geschäftsleuten wie Industriellen – zugänglich wird, da die hier aufgestellten, auf praktische Beispiele gestützten Grundsätze in besonderem Maße dazu beitragen können, jene Lauterkeit und Ehrbarkeit im Wettbewerb zu sichern, deren der verschärfte wirtschaftliche Konkurrenzkampf in einer freien Marktwirtschaft bedarf. -ws.