Rlt. Düsseldorf Anfang Juni

Die jüngsten Pläne zur Erhöhung der Tarife bei Bundesbahn und Bundespost sind von der Öffentlichkeit mit wenig Begeisterung zur Kenntnis genommen worden. Es verlautete daher sehr schnell, daß der Reiseverkehr nicht neu belastet würde. Aber auch die Wirtschaft hält Tariferhöhungen nicht unbedingt für notwendig und glaubt, daß bei allen frachtintensiven Gütern das Preisgefüge erneut „vibrieren“ könnte-

Bundesbahn und Bundespost begründeten ihre Wünsche nach Tariferhöhungen mit dem Hinweis, Investitionen in größerem Umfange vornehmen zu müssen. Dürfen aber öffentliche Unternehmen mit Monopolcharakter immer nur diesen einen Weg beschreiten? Oder sollten nicht gerade die dem Wettbewerb überhaupt nicht (wie die Bundespost) oder nur beschränkt (wie die Bundesbahn) unterliegenden Unternehmen ihren langfristigen Investitionsbedarf überwiegend auf dem Anleihewege decken? Zweifellos sind Bahn und Post nicht mehr in der Lage, ihre notwendigen Investitionen aus den laufenden Einnahmen zu decken. Früher wurden aber Investitionen auch nicht aus der Tageskasse bezahlt.

Der Bundesbahn ist schon vor langer Zeit die Warnung zugegangen, nicht immer nur von ihrer schlechten Lage zu sprechen, sondern gerade auch die Wiederaufbauleistungen, die Modernisierungen und den Trend der Rentabilitätsbessrung darzulegen. Die Politik des Klagens, um öffentliches Mitleid zu erregen und damit vielleicht öffentliche Mittel zu erhalten, kann zum Bumerang werden. Für Großunternehmen, die auf die Dauer doch ohne den privaten Kapitalmarkt nicht auskommen, wirkt sich eine solche Politik mit Sicherheit unglücklich aus.

Soll nun die gesamte Volkswirtschaft mit einer Tariferhöhung büßen und soll zugleich eine falsche Wirtschaftsführung, nämlich immer nur aus Preisen Investitionen zu bezahlen, fortgesetzt werden? Angesichts der Tarifdebatten müßten sich die parlamentarischen Gremien ernsthalt überlegen, ob jener für das einzelne Unternehmen wie für die Volkswirtschaft falsche Weg der Versorgung mit Investitionsmitteln weiter beschritten werden soll. Es wäre wohl besser, Bahn und Post zu veranlassen, sich erst einmal mit ihren alten Gläubigern auseinanderzusetzen und eine gesunde und wirtschaftsnahe Publizistik zu treiben, um für den vorhandenen, aber vielfach bedrohten Goodwill wieder zu werben.

Der Verwaltungsrat der Bundesbahn hat sich in seiner ersten Beratung mit der Frage beschäftigt, ob die zu den Investitionen erforderlichen Geldmittel nicht vielleicht doch durch Anleihen aufgebracht werden könnten. Auf lange Sicht darf die Beschaffung der Mittel zum Vervollständigen und Modernisieren der Anlagen von Bahn und Post, soweit sie über die Abschreibungen hinausgehen, nur auf dem Anleihewege erfolgen. Es gehört zu den Aufgaben monopolartiger öffentlicher Betriebe, die Belastung der Öffentlichkeit so gering wie möglich zu halten. Wird das Drehen an der Tarifkurbel zu leicht, gemacht, dann verführt es zu allzu häufigen Wiederholungen.