Essen, die Stadt auf der Kohle und als Sitz der bergbaulichen Spitzenorganisationen mit dem Bergbau auf das engste verbunden, sieht in diesen Tagen mit Spannung und großen Befürchtungen dem Ergebnis der Verhandlungen entgegen, die für die Zukunft des Bergbaus an Rhein und Ruhr von entscheidender Bedeutung sein werden. Der Deutsche Kohlenverkauf, die gemeinschaftliche Absatzorganisation des westdeutschen Steinkohlenbergbaus, ist zwei Tage vor Unterzeichnung des General Vertrages durch eine alliierte Anordnung aufgelöst worden. Damit würde, wenn es bei den nackten Tatsachen dieses Beschlusses bliebe, eine Entwicklung unterbrochen, die im Jahre 1893 mit der Gründung des Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats ihren Anfang genommen und über alle politischen und wirtschaftlichen Zeitereignisse hinweg zum Segen des Bergbaues, der Bergleute und der Gesamtwirtschaft ihre Bewährungsprobe bestanden hat.

Zu keiner Zeit ein Monopol

Das Rheinisch-Westfälische Kohlensyndikat als Vorläuferin des jetzt umstrittenen – und von den Alliierten eingesetzten – Deutschen Kohlenverkaufs ist entgegen allen andersartigen Behauptungen zu keiner Zeit mit den Merkmalen einer monopolistischen Institution behaftet gewesen. Seine Gründung erfolgte einzig und allein aus dem Bestreben, durch den gemeinschaftlichen Absatz aller Ruhrzechen in guten und in schlechten Zeiten eine gleichmäßige Beschäftigung aller Schachtanlagen ohne Rücksicht auf die naturgegebenen Vorkommen an gängigen und weniger gefragten Sorten zu sichern, eine sortengerechte Verbraucherbelieferung zu gewährleisten und den Versand so zu steuern, daß eine preisgünstige Belieferung aller Verbraucher erfolgen konnte. Heute kann rückschauend festgestellt werden, daß das Rheinisch-Westfälische Kohlensyndikat wie keine zweite Organisation dieser oder ähnlicher Art nur einer einhelligen Beurteilung unterliegt: Es hat zu allen Zeiten seine Tätigkeit unter den Gesichtspunkt größter volkswirtschaftlicher Verantwortlichkeit gestellt.

Das Ende des zweiten Weltkrieges unterbrach diese kontinuierliche Entwicklung, da die britische Militärregierung nach Kriegsende die Liquidation des Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats verfügte. An seine Stelle trat das NGCDO, das der britischen Zuständigkeit unterstehende North German Coal Distribution Office. Diese Organisation übte ihre Tätigkeit infolge des ausschließlichen britischen Einflusses nach rein dirigistischen Gesichtspunkten aus, ohne daß die dem aufgelösten Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikat bis dahin innewohnende Grundsätze der Gemeinschaftsarbeit weiterhin berücksichtigt worden wären. Wenn jemals im Ruhrkohlenabsatz monopolistische Gedankengänge zum Tragen gekommen sind, dann in jener Zeit, als sowohl die Kohlenproduktion als auch die -verteilung der deutschen Zuständigkeit entzogen waren.