Die Oberste Kongregation des hl. Offiziums inRom hat alle Werke André Gides auf den „Index der verbotenen Bücher“ gesetzt, nachdem sie wenige Tage zuvor gleiche Maßnahme für die Werke des römischen Erzählers Alberto Moravia beschlossen hatte. Das Verdammungsurteil gegen Gide wurde in einem offiziösen Artikel des „Osservatore Romano“ damit begründet,daß Gide, obwohl „von der Geburt bis zum Tode innerhalb des Christentums lebend“, sich doch immer als „vollbewußter Christenfeind“ verhalten habe. Da der |verlorene Sohn“ auch am Ende seines Lebens nicht, wie man habe hoffen können, „heimgekehrt“ sei, müsse man ohne Umschweife sagen, wie es mit seinen Grundsätzen bestellt war: „Wohlgefallen daran, sich verworfen zu fühlen, das ablehnen, was die Anständigen auch unter Einsatz ihres Lebens bejahen. Hinken und dazu behaupten, das sei aufrechte Gangart, sich als Krüppel fühlen, sich dessen rühmen und die verspotten, die aufrecht gehen ...“

Noch vor einigen Monaten hatte sich in einer Sondernummer der „Nouvelle Revue Française“ ein höherer Geistlicher, Monsignore Ennio Francia, als Schüler André Gides bekannt und in ihm den Dichter begrüßt, der „sich nicht von Gott besiegen ließ“, aber wußte, daß „Einsamkeit nur erträglich ist in Gemeinschaft mit Gott“.