Daß im Bundesgebiet ein Zusammenschluß der leitenden Angestellten besteht, erscheint prima facie so selbstverständlich, wie nur sonst etwas auf der Welt. Da es ja Beruf verbände jeder Art gibt, und auch wohl geben muß,weil der einzelne im komplizierten Getriebe der modernen Wirtschafts- und Sozialverfassung seine Interessen nicht anders als „im Verband“ geltend machen kann – warum sollte da die Schicht der leitenden Angestellten eine Ausnahme machen? Bei einigem Nachdenken freilich wird deutlich, wie schwierig es gerade für diese Gruppe ist, zu gemeinsamem Handeln zu kommen. Denn eigentlich ist der Angestellte, der sich nicht nur in „gehobener Position“ befindet, sondern ausdrücklich leitende Funktionen wahrnimmt, seinem soziologischen Standort nach „isoliert“, und damit nicht organisierbar: selbst dann, wenn er für seine Person alles andere als ein „geborener Individualist“ sein mag ... Und eine kleine psychologische Hemmung kommt vielleicht recht oft noch hinzu, den Entschluß erschwerend, sich mit etwa Gleichgestellten organisatorisch zusammenzuschließen: die Tatsache nämlich, daß der Betreffende auch dann, wenn er sich dessen sehr wohl bewußt ist, zur Gruppe der „Führungskräfte“ im-Betrieb zu gehören – sich trotzdem nicht gern selber so klassifizieren mag...

Nach dem Gesagten erscheint es verständlich, daß die Großbetriebe, wo es vielfach ganze Gruppen von hochqualifizierten Angestellten gibt (und insbesondere von solchen mit technischer Vorbildung), noch am ehesten als Stützpunkte für einen organisatorischen Zusammenschluß der genannten Art in Frage kommen. Zudem bildet sich ja im Großbetrieb notwendigerweise eine klare Hierarchische Gliederung innerhalb der Angestelltenschaft heraus. So sind denn auch die Gruppen der Bergbeamten, der oberen Angestellten in der Eisen- und Stahlindustrie und der Akademikerangestellten in der Großchemie die wichtigsten Unterverbände der „Union“. Außerdem gehört dazu mit einer Reihe von Landesgruppen in West- und Südwestdeutschland und auch in Berlin die wiedererstandene Vela-Organisation, die „Vereinigung leitender Angestellten“, die schon vor 1933 als „Gewerkschaft sui generis“ einen recht,guten Namen hatte. Daß es gründlich verfehlt wäre, in diesem Zusammenhang etwa abschätzig von dem „deutschen Hang zur Vereinsbildung“ sprechen zu wollen, wird besonders dann klar, wenn man von der Existenz einer Confederation internationale des Cadres (CIC) hört, also einer Internationalen Vereinigung der leitenden Angestellten, deren deutsche Gruppe nun eben die Union darstellt.

Es gibt also (wieder ...) so etwas wie eine internationale Solidarität auch in dieser Berufsschicht, die ihrem Wesen nach so stark individualistisch geprägt ist. Ihrer sozialen Stellung nach darf sie freilich nicht in einer Isolierung verharren. Sie hat vielmehr die Funktion, das Abstraktum „Betriebsführung“ in konkrete menschliche Beziehungen zum Kollektiv „Belegschaft“ zu bringen ... und damit zugleich dies Kollektiv und seine polare Spannung zur „Geschäftsleitung“ aufzuheben: Mitarbeiter hier und Mitarbeiter da! Das also ist die Aufgabe des „Leitenden“ in unserer Zeit, und sie gilt ebenso für den Prokuristen im Büro eines mittleren Unternehmens, wie für die Ingenieure oder Chemiker im Großbetrieb, die dort den technischen Apparat dirigieren – ebenso für den Manager, der in die Unternehmerfunktion hineingewachsen ist, wie für seine hochqualifizierten Helfer im Hause: mögen sie nun Juristen sein oder Nationalökonomen, „gelernte“ Kaufleute oder „gelehrte“ Betriebswirtschaftler ... G. K.