Im „Revier“, dem auf 70 km west-östlich und 40 km nord-südlich sich erstreckenden Wirtschaftsraum an der Ruhr mit seinen etwa 4 Mill. Einwohnern, werden täglich im Durchschnitt 1 1/2 Mill. Menschen auf Straßenbahnen, Obussen und Autobussen befördert. Daneben dienen auch die Strecken der Bundesbahn dem Vorort- und Bezirksverkehr. Es ist üblich geworden, den gesamten Binnenpersonenverkehr des Ruhrgebiets mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf Schiene und Straße als „Ruhr-Verkehr“ zu bezeichnen.

Die beträchtlichen Leistungen der öffentlichen Verkehrsmittel im Ruhrgebiet wurden möglich durch die weitverzweigten, miteinander verflochtenen Verkehrsnetze der Straßenbahnen sowie der Obus- und Autobuslinien, die seit mehr als 50 Jahren für die Bedienung des örtlichen und bezirklichen Verkehrs entwickelt worden sind. Aus dem fast völligen Verkehrsstillstand am Ende der Kriegshandlungen vor 7 Jahren mit sehr erheblichen Schäden an Betriebsanlagen und Fahrzeugen haben diese Verkehrsbetriebe in tatkräftiger Wiederaufbauarbeit aus eigener Kraft ihre Verkehrseinrichtungen so wiederhergestellt, daß ihre Betriebsleistungen insgesamt um etwa ein Fünftel größer sind als vor dem Kriege, und daß jährlich etwa 500 Mill. Fahrgäste, das sind etwa zwei Drittel mehr als vor dem Kriege, befördert werden. Die Verknüpfungen der Verkehrsnetze und die Möglichkeiten durchgehender Fahrten von dem einen in das andere mit entsprechenden Übergangstarifen haben heute noch größere Bedeutung als früher, da die Bevölkerung – bedingt durch Kriegszerstörungen – zum großen Teile sich an die Stadtränder, d. h. in die Zwischengebiete der benachbarten Städte, verlagert hat und Wohnungsneubauten in größerem Umfange hauptsächlich dort entstehen.

In diesem Verkehrsfeld des Ruhr-Verkehrs bildet Essen den Mittelpunkt. Mit seinem dichten Verkehrsnetz an Straßenbahnen, Obus- und Autobuslinien sowie daneben mit den Verkehrsmöglichkeiten auf der Bundesbahn ist das Stadtgebiet in seiner gesamten Ausdehnung erschlossen, und der Gemeinschaftsverkehr mit den Verkehrsnetzen der benachbarten Städte Mülheim, Oberhausen, Bottrop, Gladbeck, Gelsenkirchen sowie in Sichtung Wuppertal ist hier besonders ausgestaltet. Rund 100 Mill. Menschen werden mit den Verkehrsmitteln der Essener Straßenbahnen jährlich befördert.

Die Bedeutung Essens inmitten des Reviers und für dessen Wirtschaftsleben ist somit eine doppelte: Der Stadt sind große Aufgaben erwachsen für den Wiederaufbau und die weitere Entfaltung als Industrie-, Handels- und Verwaltungsstadt. Dabei bedarf gerade in Essen das überall vorherrschende Problem einer geeigneten Lösung, dem Massenverkehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln in der Innenstadt mit ihren großen Geschäfts- und Bürohäusern ausreichende Bewegungsmöglichkeiten aufrechtzuerhalten oder zu verschaffen. Verkehrsgerechte städtebauliche Planung und verkehrsordnende Gestaltung sind gerade hier eine vordringliche Aufgabe.

Essen war aber auch seit je her und ist heute weiterhin die Keim- und Pflegestätte der typischen Erscheinung des Reviers, nämlich der Gemeinschaftsorganisationen: für den Bergbau und die Kohleverwendung, für die Wasserwirtschaft sowie für die Strom- und Gasversorgung, für die städtebauliche Gesamtplanung und das Siedlungswesen sind die Gemeinschaftsorgane in Essen entstanden und haben hier ihren Sitz. So fällt Essen auch die Aufgabe zu, für die anzustrebende „Verbundwirtschaft“ im öffentlichen Personenverkehr des Reviers das Nötige zu unternehmen. Der Lösung der in dieser Form einmaligen Aufgabe der Herbeiführung eines in sich abgestimmten Gesamtverkehrssystems sollte der vor mehr als 20 Jahren (vom Verfasser) angeregte Generalverkehrsplan dienen. Die Arbeiten dafür sind nunmehr von den Beteiligten (Verkehrsträger, Verkehrsnutzer, Städte) unter Federführung des Siedlungsverbandes Ruhrkohlenbezirk wieder aufgenommen worden. Gegenwärtig finden Verkehrszählungen statt, um ein Spiegelbild des gesamten Verkehrablaufs zu gewinnen als Unterlage der Planungen für Künftiges. Der Erfüllung dessen, was der Ruhr-Einwohner von der Gesamtverkehrsbildung erwartet, will die vor drei Jahren von den kommunalen und gemischtwirtschaftlichen Verkehrsunternehmen (gebildete „Gemeinschaft der Nahverkehrsbetriebe Ruhr–Wupper–Niederrhein (GNR)“ dienen, die ihren Sitz in Essen hat. Sie ist bemüht, neben der Lösung gemeinsamer Aufgaben der sich gegenseitig berührenden Verkehrsbetriebe des Reviers ein Zusammenwirken mit der Eisenbahndirektion Essen herbeizuführen, so daß dem Fahrgast später einmal die erwünschte Möglichkeit geboten werden kann, im gesamten Revier von dem einen Verkehrsmittel auf das andere überzugehen.