Der „Stadt der Kohle“, Essen, verdanken wir wichtige Impulse zur Verbesserung unserer Energiewirtschaft. Mehr als anderswo mußte im Zentrum des Reviers der geringe Nutzungsgrad der nur zur Verbrennung kommenden Kohle die Techniker, Chemiker und Wirtschaftler bedrücken und den Wunsch verstärken, die Fortschritte der Technik einzusetzen, um die in der Kohle schlummernden Energien zu größerer Wirksamkeit zu bringen. Von Essen ging die Idee aus zur Gründung der Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk AG (RWE), zur Versendung der elektrischen Energie auf weite Entfernungen und zur Schaffung der modernen großräumigen Verbundwirtschaft. – Das war gegen Ende des 19. Jahrhunderts, und etwa ein Vierteljahrhundert später wurde die heutige Ruhrgas AG gegründet.

Ging der RWE-Gedanke noch von der primären Ausnutzung der Kohle als Brennstoff aus, so lag der Ruhrgas-Gründung bereits die große Konzeption einer umfassenden industriellen Kohlechemie zugrunde. Beide energiewirtschaftlichen Großunternehmen haben in ihrem Wirtschaftsbereich und darüber hinaus revolutionierend gewirkt, ein Zeichen für Weitblick und tatkräftige Unerschrockenheit der Unternehmerpersönlichkeiten, die hier als Initiatoren auftreten.

Weitgespannte Stromversorgung

Gas- und Stromerzeugung waren nur bekannt und erprobt für die Versorgung eng begrenzter Verbrauchsbezirke. Die Gründer der RWE durchbrachen mit ihren Plänen diesen Rahmen, wollten die elektrische Energie zwar am Orte der Energiequelle, der Zeche, erzeugen, aber sie über den Zechenbezirk hinaus zur Verfügung stellen und gleichzeitig vom Lichtstrom zur Stromversorgung der gewerblichen und industriellen Betriebe übergehen. Das war mehr als nur technische Neuerung, und schon bald ergab sich die Ausgestaltung des RWE, auch das ein Novum, zu einem gemischtwirtschaftlichen Unternehmen, an dem die beiden großem Verbrauchergruppen Industrie und Kommunen gemeinsam beteiligt waren.

Im Zuge des technischen Fortschrittes und damit des Überganges zu immer höheren Spannungen wurden riesige Netze von 110 kV- und 220 kV-Leitungen aufgebaut und die Verbundwirtschaft auch mit dem Strom aus den anderen Quellen Wasser und Braunkohle, zu einer Großraumverbundwirtschaft erweitert, die über die Grenzen hinaus die Energiewirtschaft des Bundesgebietes mit der Wirtschaft der europäischen Nachbarländer verbindet.

Von 2,7 Mill. kWh im Jahre 1900 stieg der Absatz dieses großen Versorgungsunternehmens im Geschäftsjahr 1950/51 auf 10,7 Mrd. kWh, das bedeutet in 50 Jahren eine Steigerung auf das Viertausendfache. Von den in dieser Zeit im Bundesgebiet von allen öffentlichen Elektrizitätswerken abgegebenen rund 31,6 Mrd. kWh entfiel mithin ein Drittel auf die RWE. Nicht nur ihren Verwaltungssitz hat die RWE in Essen, sondern auch bedeutende eigene Erzeugungsanlagen auf Steinkohlenbasis. Zur Keimzelle der RWE, dem modernisierten Kraftwerk neben der Zeche Victoria-Mathias, ist das Hochdruckdampfkraftwerk in Karnap gekommen mit einer Maschinenleistung von 250 000 kWh, eines der größten und modernsten seiner Art.

„Kohle ist Rohstoff, kein Brennstoff“