Wie er schließlich zu Fall kam, das hat ganz Amerika aufgeregt. Sein Chef, der Justizminister und Generalstaatsanwalt McGrath, wußte – wie er später vor dem Untersuchungsausschuß des Kongresses aussagte – von allen diesen Dingen nichts. Im Gegenteil, er hatte eine besonders hohe Meinung von seinem Freund Lamar Caudle. So berichtete er noch kurz vor dem Skandal an Truman so günstig über Caudle, daß der Staatspräsident dem „braven“ Manne ein Anerkennungsschreiben sandte. Bald darauf allerdings erfuhr Truman Näheres über die „außerdienstliche“ Tätigkeit Caudles. Und so schickte er ihm sogleich einen zweiten Brief, in dem er ihn aufforderte, sofort seinen Rücktritt zu erklären. Sein Freund und Vorgesetzter McGrath war, von diesem Wandel in der Gunst des Präsidenten so überrascht, daß er vor dem Untersuchungsausschuß des Kongresses erklärte, er habe nicht gewußt, warum Caudle vom Präsidenten „gefeuert“ worden war:

Bald nach dem Rücktritt von Caudle sagte der Chikagoer Rechtsanwalt Abraham Teitelbaum – übrigens der Anwalt der Familie des verstorbenen Gangsterkönigs Al Capone –, gegen den ein Verfahren wegen umfangreicher Steuerhinterziehungen schwebt, vor dem Untersuchungsausschuß des Kongresses aus, ihm sei von einem Mittelsmann aus Washington, der sich rühmte, über die besten Beziehungen in der Bundeshauptstadt zu verfügen, das Angebot gemacht worden, gegen Zahlung von 500 000 Dollar ein Niederschlagen seines Falles im Justizministerium zu erwirken. Im Zusammenhang hiermit nannte er sowohl Caudle, als auch den Hauptrechtsberater des Amtes für Steuereinnahmen, Charles Oliphant, der es vorzog, schon am folgenden Tage von seinem Posten zurückzutreten ... Eine Grand Jury befaßt sich zur Zeit mit einer Nachprüfung der Enthüllungen Teitelbaums.

Mr. Oliphant wäre besser gefahren, wenn er sich ein Beispiel an Joseph D. Nunan Junior genommen hätte. Dieser war von 1943 bis 1947 Leiter der Behörde für Steuereinnahmen gewesen, jedoch rechtzeitig aus dem Amt ausgeschieden und in eine New Yorker Rechtsanwaltsfirma eingetreten. Aus dem Bock, der zum Gärtner gemacht worden war, wurde wieder der Bock, denn diese Anwaltsfirma vertrat die – Steuersünder. Obwohl ein Gesetz besteht, daß ehemalige Steuerbeamte in einem Steuerverfahren nicht als Vertreter von Steuerpflichtigen in allen solchen Fällen auftreten dürfen, mit denen sie in ihrer früheren Beamtentätigkeit zu tun hatten, und obwohl für alle anderen Fälle eine Sperrfrist von zwei Jahren besteht, beginnend mit dem Ausscheiden des Beamten aus dem Staatsdienst, erhielt Mr. Nunan, entgegen diesen gesetzlichen Bestimmungen, in 102 Fällen die Genehmigung des Finanzministeriums, als Anwalt von Steuerpflichtigen vor seinem ehemaligen Department aufzutreten. Nach Angaben des Bundessenators John J. Williams war Mr. Nunan für seine Klienten so erfolgreich tätig, daß in jedem der von ihm vertretenen Fälle von der vorgesehenen strafrechtlichen Verfolgung Abstand genommen wurde. Der Untersuchungsausschuß des Repräsentantenhauses unter Leitung des Abgeordneten King ist augenblicklich damit beschäftigt, festzustellen, welche Kräfte innerhalb des Finanzministeriums und des Departments für Steuereinnahmen an diesen, den Staat schädigenden „Erfolgen“ des Mr. Nunan mitgewirkt haben.

(Wird fortgesetzt)