Fremde, die Essen zum erstenmal besuchen, müssen meist ihre Vorstellung von dieser Stadt des Industriegebiets revidieren: statt Rauch und Ruß finden sie waldige Höhen am Ruhrtal, die den Neid manchen Kurorts erregen könnten, und dann, vom Hauptbahnhof mit der Straßenbahn in knapp zehn Minuten zu erreichen, die Gruga, einen riesigen Park von einzigartiger Schönheit. Nach mehrjährigen Vorbereitungen wurde diese Erholungsstätte des Reviers 1929 eröffnet, und zwar als ‚Große Ruhrländische Gartenbauausstellung‘ (Gruga), in der Hoffnung, durch diese Ausstellung einen wesentlichen Teil der Unkosten wieder hereinzubekommen. Alle Erwartungen wurden übertroffen, denn die Sehnsucht der Arbeiterbevölkerung nach den Schönheiten der Natur ist groß. Aber nicht nur die Heimischen kamen: unter den 2,5 Mill. Besuchern im Sommer 1929 waren solche aus ganz Deutschland und viele Ausländer, die dieses Wunder neuzeitlicher Gartenkunst sehen wollten.

Die Gruga, anläßlich der Reichsgartenschau 1938 erweitert, wurde 1945 durch Bomben umgepflügt. Trotzdem die Stadt noch viele Trümmer aufweist und das Wohnungsproblem noch längst nicht gelöst ist, entschloß sich die Stadtverwaltung zu schnellem Wiederaufbau dieses Schmuckstücks des Reviers, das allen Bewohnern ans Herz gewachsen ist. Wieder hofft man durch eine Ausstellung, die nicht nur die ständigen Anlagen, sondern viele Mustergärten, Sonderschauen von Schnittblumen und Gartenerzeugnissen zeigt, sowie Tagungen – der Deutsche Gartenbautag vom 22. bis 24. August – und Veranstaltungen verschiedener Züchter (Rosen-, Gladiolen-, Dahlienzüchter) auf erheblichen Beitrag zur Ausgabendeckung.

Über den 600 000 qm großen, langgestreckten Park verschafft man sich einen Überblick bei einer Fahrt mit dem Grugabähnchen, die an dem Parterre des Größen Blumenhofes, den Sommerblumenterrassen und an der Neuanlage des Großen Blumenangers vorbeigeht und durch japanisch anmutende Warmhäuser einen Abschluß erhält. Nach Überquerung einer kleinen Schlucht wendet man sich dem Botanischen Garten mit seinem Rosarium, der lustigen Palette eines Staudenrondells und dem glühenden Rhododendrontal zu. Weiter geht es dann über eine Naturholzbrücke am Hirschgehege vorbei zum Ausgangspunkt zurück. Immer wieder entzücken das Auge Blicke auf Wasserspiele und Seerosenteiche, auf bunte Lupinenwiesen, leuchtende Flora des Alpinums, überraschende Fernsichten und liebevoll angelegte Details, so daß man nicht müde wird, zu schauen und zu bewundern. Das besonders Schöne an dieser Ausstellung ist, daß sie im Wechsel der Jahreszeiten ständig neue Reize entfaltet. Nun, nachdem die Tulpenpracht vergangen ist, kommen die Rosen, Kannas, Gladiolen und alle die bunten Sommerblumen, um mit dem prunkvollen Fest der Dahlien abzuschließen, dessen Leuchten man mit hineinnimmt in das Grau des Novembers. K. H. B.