Die zwei Hallen, um die das Leipziger Messegelände bis zum Herbst vergrößert werden soll, sind nicht für Zwecke der Messe vorgesehen, sondern für sowjetische Produktionsbetriebe. Das gleiche gilt von der Vergrößerung der Halle V. Die SAG vormals Bleichen baut bereits in früheren Messehallen Traktoren, andere Schlepperfahrzeuge und Kräne, deren sowjetischer Tarnanstrich einige Schlüsse auf ihre Verwendung zuläßt. Während nach außen hin noch das Gesicht einer sich von Jahr zu Jahr vergrößernden Messe gewahrt werden soll, hat im Inneren bereits eine Umstellung begonnen, die einem Abbau gleichkommt. In Kreisen des Leipziger Messeamtes ist in den letzten Monaten schon öfter der Verdacht geäußert worden, die Sowjets sabotierten absichtlich den wirtschaftlichen Erfolg der Leipziger Veranstaltungen, um sie eines Tages mit der Begründung völlig einzustellen, die volkseigene Wirtschaft in der Sowjetzone und in den kommunistischen Ostblockstaaten erfordere nicht mehr derartige Überbleibsel einer kapitalistischen Handelspolitik. Es ist eine Entwicklung denkbar, wonach die sowjetische Dialektik eines Tages behauptet: da Moskau ohnehin der Mittelpunkt der Welt geworden ist und handelspolitische Demonstrationen nicht mehr der Konkretisierung durch eine Warenschau bedürfen, kann man auf die äußere Erscheinungsform der Messe völlig verzichten und die Beratungen von vornherein an den Platz verlegen, wo ohnehin die Entscheidungen gefälllt werden, eben nach Moskau. Damit wäre auch für den bolschewistischen Hausgebrauch eine plausible Erklärung gegeben, um eine seit langem als lästig empfundene Konkurrenz auszuschalten. Wann dies der Fall sein wird, hängt nicht zuletzt von dem Tempo ab, mit dem die Koordinierung der früheren Nationalwirtschaften in den Ländern des jetzigen sowjetischen Machtbereiches fortschreitet. GG