Bei der Glasfabrikation macht die Beschaffung der Rohstoffe – vor allem Sand, Kalk und Soda – geringe Schwierigkeiten; um so wichtiger ist das Vorhandensein ausreichender Brennstoffe. Dieser Umstand ist darum seit jeher für die Standorte der Glashütten bestimmend gewesen. In älterer Zeit waren sie in waldreichen Gebieten beheimatet, auf deren Holzbestand sie zurückgreifen konnten. In neuerer Zeit haben sie sich vor allem in den Steinkohlenrevieren angesiedelt. Mit dieser Standortverlegung war der Übergang vom Kleinbetrieb zum Großbetrieb und zur Massenproduktion verbunden.

Im Zuge dieser Entwicklung sind 1923 die Glaswerke Ruhr in Essen-Karnap errichtet worden. Die Initiative zu dieser Gründung ging von Hugo Stinnes sen. aus. Nach seinen Weisungen erhielt das Werk seinen Platz nahe der Zeche Mathias Stinnes, der größten der zum Stinnes-Konzern gehörenden Steinkohlenzechen; von ihr wird es mit Kokerei- und Generatorgas in eigenen Rohrleitungen beliefert.

Für die Glashütte galt als Ziel, den Produktionsprozeß von der Glasschmelze bis zur Glasfertigung weitgehend zu automatisieren. In dieser Hinsicht war die deutsche Glasindustrie damals hinter der Entwicklung anderer Länder, insbesondere der USA, zurückgeblieben. Auf mehreren Reisen nach den Staaten stellte Alfred Pott, der bei diesen Plänen Hugo Stinnes’ engster Vertrauter und Berater war, die notwendige Verbindung her und erwarb die ersten Patente und Maschinen, so daß die Produktion 1924 aufgenommen werden konnte.

Da auch die vollautomatischen Maschinen, die Mitte der zwanziger Jahre angeschafft worden waren, nicht mehr den modernen technischen Anforderungen entsprachen, billigte der AR den Vorschlag der Werksleitung, das Werk mit Maschinen modernster Konstruktion auszustatten. Daraufhin wurde ein großer Teil der veralteten Maschinen 1951 und 1952 durch modernste Automaten für die Herstellung von Flaschen, Wirtschafts- und Verpackungsglas ersetzt. Darüber hinaus wurden die betrieblichen Einrichtungen erheblich erweitert und verbessert. Die Erzeugnisse von „Ruhrglas“ finden ihren Absatz nicht nur im Inland, sondern gelangen auch mit einem erheblichen Teil zum Export in andere europäische und außereuropäische Länder. Die Glaswerke Ruhr begannen 1924 mit etwa 400 Arbeitern, beschäftigen heute aber mehr als 2700 Menschen, so daß sie, gemessen an der Belegschaft, das zweitgrößte Produktionsunternehmen der Stadt Essen sind.