Auf den ohnehin nicht sehr lebhaften Rohstoff- und Lebensmittelmärkten der Welt ist es in den Tagen unmittelbar vor und nach dem Pfingstfest noch stiller geworden. Auch bis Ende der Pfingstwoche sind die Käufe nicht über die notwendige Bedarfsdeckung hinausgegangen. Selbst auf den Metallmärkten, die in der Berichtswoche wegen des 18prozentigen Rückganges des Zinkpreises und der mehr als 30prozentigen Erhöhung des amerikanischen Auslandspreises für Kupfer im Mittelpunkt des Interesses standen, haben Verbraucher und Handel sich weiter zurückgehalten. Zink ist von den amerikanischen Schmelzen zunächst von 19,50 cts je lb auf 17,50 cts und danach auf 16 cts herabgesetzt worden. England ist gefolgt und hat seine amtliche Notierung erst um 16 £ und sodann nochmals um 12 £ (auf 138 £ je t) ermäßigt, gegen 166 £ vorher und 190 £ bis zum 22. Mai d. J. Auf den freien Märkten wurde das Metall aber bereits vor Ermäßigung der offiziellen Preise mit 135 £ jetzt angeboten. Infolgedessen wartet man allgemein auf weitere Preisrückgänge, und wird in diesem Glauben noch dadurch bestärkt, daß die InternationaleRohstoffkonferenz in Washington (IMC) wegen der neuerlichen Besserung der Versorgungslage die internationale Zuteilung des Metalls zum 1. Juli aufgehoben hat. Nach Mitteilungen aus New York werden die USA nunmehr den früheren Importzoll für Zink von 7/10 cts je lb wieder in Kraft setzen. Ebenso erwartet man, daß in Kürze auch der Terminhandel in Zink wiederaufgenommen wird

Auf dem amerikanischen Kupfermarkt herrscht gegenwärtig ein regelrechter Preiswirrwarr. Der offizielle Preis für einheimisches Kupfer ist bisher unverändert geblieben und steht auch heute noch, wie schon seit Jahr und Tag, auf 24 1/2 cts je lb. Der amtliche Höchstpreis für Auslandskupfer war hingegen nach einem im Mai geschlossenen Übereinkommens mit Chile, wonach dieses sich verpflichtete, 80 v. H. seiner Kupferproduktion zum Preise von 27 1/2 cts je lb den USA zu überlassen, in dieser Höhe festgesetzt worden. Nachdem Chile kürzlich das Abkommen gekündigt hat und die USA den Höchstpreis für Auslandskupferkäufe aufgehoben haben, Ist Auslandsware in der letzten Woche zu Preisen von 27 1/2 und 35 1/2 cts gehandelt worden und wird an der New Yorker Börse mit 32 bis 36,15 cts je lb notiert. Bei den Käufen zu 35 1/2 cts handelt es sich wahrscheinlich um chilenisches Kupfer, während die Lieferungen zu 27 1/2 cts von den amerikanischen Schmelzen stammen, deren Preise noch durch die bisher unveränderten Preisvorschriften des Office of Price Stabilisation begrenzt sind.

Der Zinnpreis ist in New York unverändert geblieben, in London gab er, trotz einer starken Schrumpfung der englischen Regierungsvorräte, um 2 £ auf 971 1/2 £ je t nach. Da die USA inzwischen die neue bolivianische Regierunganerkannt haben, steht der Wiederaufnahme der durch die Staatsumwälzung unterbrochenen Zinnverhandlungen zwischen beiden Ländern nichts mehr im Wege. Von der bolivianischen Regierung ist am 3. Juni ein Staatsmonopol für den Export aller Erze und Metalle errichtet worden. Der Verkauf wurde der Banco Minero übertragen. Die einheimischen Produzenten sind verpflichtet, ihre Produkte zum offiziellen Kurs an die Bank abzugeben. Die Bank hat die Verkäufe nach den USA sofort wiederaufgenommen? die ersten Zinnverschiffungen sollen bereits dahin unterwegs sein. Die Welt-Zinnproduktion ist erneut im Anstieg begriffen. Im März sind nach den letzten Statistiken der Internationalen Zinn-Studiengruppe 14 700 t produziert worden gegen 12 100 t im Februar.

In den USA beschäftigt man sich neuerdings sehr lebhaft mit den Absichten der Regierung, neben den strategischen Reserven auch noch zivile Reservenanzulegen. Von der Privatwirtschaft wird gegen diese Absichten protestiert, weil man befürchtet, daß bei der späteren Auflösung der gehorteten Bestände starke Preiseinbrüche eintreten und erhebliche Verluste für Produzenten und Handel zur Folge haben würden. Die amerikanische Regierung will aber durch diese Maßnahme in erster Linie ein Absinken der stark vorgetriebenen eigenen. Produktion verhindern oder wenigstens so lange wie möglich hinausschieben und glaubt dies durch die Schaffung von größeren privaten Reserven erreichen zu können. Eingelagert werden sollen vor allem Metalle, aber auch Textilrohstoffe und Lebensmittel.Diese Käufe würden sichnatürlich preisstützend auf die Märkte der ganzen Welt auswirken und weitere Preiskorrekturen nach unten, die bei der zunehmenden Produktion in vielen Rohstoffen und Lebensmitteln in Aussicht stehen, hinausschieben. ol-