Stadtplanung, Landesplanung, Raumordnung, das sind Begriffe, die der heutigen Generation bekannt sind. Weiß aber auch jeder, daß sie vom „Stadtbaumeister“ Robert Schmidt in Essen und später im Ruhrsiedlungsverband erstmalig verwirklicht wurden? Verständlich, daß Essens bauliche Entwicklung deshalb frühzeitig einen vorbildlichen Rahmen erhielt. Dieser wird aber wegen der folgenden Eingemeindungen und des Anschwellens des Kraftwagenverkehrs bald zu eng. Die Auflockerung dehnte deshalb die City an das Bernetal zum Hölterberg aus. 1941 wurde die neue Planung bekanntgegeben; sie mußte bis 1950 unter Berücksichtigung der gewaltigen „Kahlschläge durch die Bomben“ verfeinert werden und ist nunmehr „Leitplan“ geworden. Alle Umänderungen von Straßen, Plätzen und Baublöcken richten sich danach; bald wird Essens Innenstadt, neu geformt um das 1100jährige Münster, wieder einmaligen Charakter zeigen.

Der Durchgangsverkehr soll auf Ring- und Tangentialstraßen abgeleitet werden, der Zielverkehr um den Stadtkern auf Hindenburgstraße und Schützenbahn so verteilt werden, daß er je auf kürzestem Querweg an die Parkplätze gelangt. Die Absicht der Gesamtplanung, radial hinausgehende Ausfallstraßen wie in einem Spinnennetz zu schaffen, ist schon erkennbar, wenn auch noch Zwischenstücke im Bau sind. An diesen Radialstraßen liegt der Kranz der Vororte, die alle kleinere Wirtschafts- und Kulturzentren bilden. Deutlich erkennbar ist auch das Vorherrschen der Industrie im Norden, der Geschäfte und Verwaltungen im Mittelstreifen und des Erholungsgrüns im Süden. Im südlicheren Rüttenscheid und Bredeney liegen zwar die bevorzugtesten Wohngebiete, doch hat jeder Stadtteil durch Anlehnung an Grünflächen, wie z. B. Borbecker Schloßpark, Steeler Stadtgarten, Altenessener Kaiserpark, Ölberg in Katernberg usw., Gebiete gleicher Wohnkultur im kleinen entwickelt. Fast genau die Hälfte der 330 000 Wohnräume war vernichtet, so daß statt ein Kopf je Raum deren zwei darin hausen mußten. Rund 100 000 Räume sind bis heute wieder neu bewohnbar. Der Fehlbedarf wird erst in sieben Jahren abgedeckt sein, vorausgesetzt, daß die Einwohnerzahl, die fast den alten Stand wieder erreicht hat, nicht noch wächst. Auch heute entstehen viel mehr zwei-und dreigeschossige Häuser als vier- bis sechsstöckige Mietswohnungen. Deshalb wird Essen auch nach dem Wiederaufbau den alten Ruf wahren, daß die Durchschnittszahl der Wohnungen je Haus bei 3,2 liegt und die Durchschnittszahl der Hausbewohner etwa fünfzehn beträgt.

Ein wohlgeformtes, eindrucksvolles Stadtbild, geordnet nach der Industrie, starkem Verkehr und betriebsamen Geschäften, und doch gleichzeitig eine aufgelockerte, mit Grün bedachte gute Wohnstadt: Das ist das Ergebnis einer nun 50 Jahre währenden städtebaulichen Planungsarbeit, die die stetig wechselnden Faktoren im Stadtgeschehen rechtzeitig und sinnvoll einordnete. Verbandsdirektor Sturm Kegel