In der Diskussion über die Währungspolitik der Bundesrepublik ist immer wieder davon die Rede, daß es an der Zeit sei, die Politik der Kreditrestriktionen zu beenden. Meist geschah das im Hinblick auf den angeblich niedrigen Kreditplafond einiger Industrie- oder Gewerbezweige. Angeregt wurden diese Feststellungen durch die (erstmalig im Januar 1951) vom Zentralbankrat herausgegebenen Kreditrichtsätze und vor allem durch deren Ergänzung im März 1952. Offenbar sind die Kreditrichtsätze in manchen Fällen fälschlich als Restriktionen angesehen worden. Dem widerspricht nun allerdings, daß das kurzfristige Kreditvolumen – wie in den Ausweisen der Bank deutscher Länder unschwer nachzulesen – von Monat zu Monat um einen Betrag angewachsen ist, der im letzten Halbjahr zwischen 300 und 600 Mill. DM monatlich geschwankt hat.

Außerdem ist es doch so, daß die Richtsätze nur ein angemessenes Verhältnis zwischen dem Volumen der Ausleihungen und dem Gesamtstatus einer Bank, vor allem ihrer haftenden Mittel, herstellen sollen. Mit den Richtsätzen wird also nur die Relation zwischen Kreditvolumen und haftenden Mitteln einer Bank zum Ausdruck gebracht, die als normal angesehen und deshalb angestrebt werden soll. Die Richtsätze sind zwar für die Refinanzierungsqoute von Bedeutung, können aber von der BdL nicht erzwungen werden. Die Praxis hatdann gezeigt, daß diese Relationen von den verschiedenen Bankengruppen nach einer Übergangszeit erreicht wurden und im wesentlichen auch eingehalten werden. Fast alle Bankengruppen unterschreiten zur Zeit sogar das Richtsatzsoll, nur wenige liegen etwas darüber.

Nun stellen ja die Richtsätze kein kurzfristig wirksames kreditpolitisches Steuerungsinstrument dar, das das Kreditvolumen der Banken starr kontingentiert. Vielmehr soll dadurch ein Ordnungsprinzip hergestellt werden, das auf lange Sicht wirkt und zudem nur eine Sollvorschrift ist. Die Richtsätze sind also eigentlich gerade das Gegenteil von Kreditrestriktionen. Wenn sich einzelne – übrigens sehr wenige – Banken über die Richtsätze beschweren mit der Begründung, daß dadurch keine Ausweitung ihres Kreditvolumens mehr möglich sei, so ist das lediglich ein Zeichen dafür, daß diese Banken ihr Kreditvolumen mehr auszuweiten wünschen, als es für ihre innere finanzielle Kraft zuträglich ist. Zahlreiche Banken verfügen zudem innerhalb der Richtsätze über eine Reihe von Expansionsmöglichkeiten im Rahmen der kreditpolitischen Sonderregelungen für den Wohnungsbau, die Förderung der Ausfuhr und andere Extraprogramme.

Das Wort „Kreditrestriktion“ sollte daher am besten aus der Diskussion ganz verschwinden, da es gegenwärtig tatsächlich zwar eine Politik des knappen Geldes, aber keine eigentlichen Kreditrestriktionen mehr gibt. C. v. S.