Kinder, geht mal vor die Tür... So, da wir unter uns Erwachsenen sind – guckt mal, was ich hier habe. Eine Liste von Herrn Albert Karsten, der in Hamburg-Fuhlsbüttel ein stiller Teilhaber im Geschäft des Klapperstorchs ist und bei dem der „Buchversand“, wie ausdrücklich angegeben, eine Abteilung der „Hygienischen Sanitätswagen“ ist... Moment, ich muß doch mal sehen, ob die Kinder draußen auch nicht am Schlüsselloch lauschen. Es handelt sich nämlich um ein „vertrauliches Sonderangebot“, und ausdrücklich steht hier geschrieben: „Diese Liste darf Minderjährigen nicht zugänglich gemacht werden.“ – Kinder, gafft nicht immer im Flur herum. Geht im Garten spielen ...

So, jetzt lese ich ein paar Buchtitel der Liste vor, nee, nicht alle 34, bloß ’n paar. „Unter vier Augen“ ... „Das große 1 X 1 der Liebe“ ... „Der Keuschheitsgürtel“ ... „Der Sexualverbrecher“... „Bring Sonnenschein in deine Nächte“... „Die Tragödie des Schlafzimmers“... Und schaut mal, was hier erst über „Liebe ohne Schleier“ steht: „In offener Weise greift der Verfasser eine Reihe heikelster Fragen auf.“ – So, Kinder, jetzt kommt wieder rein. Es regnet ja auch im Garten...

„Wieso? Da steht doch noch ein Buch auf der Liste. Wenn das die Kinder sehn!“ – „Nein“, sag’ ich, „da ist keine Gefahr.“ Und lese jetzt auch den lieben Kleinen folgenden Passus aus Karstens vertraulicher Liste vor: „Hcchbedeutsam ist auch das Werk: ‚Feldmarschall Erwin Rommel: Krieg ohne Haß. Afrikanische Memoiren.‘ Ein Buch, auf das alle deutschen Männer und Frauen schon lange gewartet haben.“

Und ich .füge hinzu: „Dies Buch steht einzig da auf dieser Liste. Wie eine Eiche unter tropischen giftigen Gewächsen.“

Und vorlaut und dumm, wie Kinder sind, sagte eines: „Wie kommt die Eiche in die Wüste?“

J. M.