Endlich hat ein großer Sportverband das Kind beim rechten Namen genannt und ist gegen die ungerechte Verteilung der dem Sport insgesamt durch den Fußball-Toto zugeflossenen und in Zukunft weiter zufließenden Mittel Sturm gelaufen. Der Deutsche Leichtathletik-Verband will nicht länger in der Aschenputtelrolle bleiben. Er erhob Einspruch dagegen, daß einem Bunds, dessen Vereine ohnehin schon durch ihre großen Spieleinnahmen finanziell viel günstiger dastehen, alles zufließt, während andere Gemeinschaften, – die für den Sport und die Volksgesundheit genau so wichtig (wenn in manchem nicht sogar noch wichtiger) sind, das Nachsehen haben. Man kann dieses Aufbegehren durchaus verstehen, wenn man hört, daß die Vorbereitung unserer Spitzenkönner für die 33 leichtathletischen Wettbewerbe der Olympischen Spiele stark durch den Mangel an Mitteln für die systematische Leistungsförderung gehemmt wurde.

Zur Zeit ist der Leichtathletik-Verband andauernd gezwungen, betteln zu gehen, um seine Aufgabe zu erfüllen. Er hat im wesentlichen seine Olympiavorbereitungen nur mit Beihilfen des Nationalen Olympischen Komitees durchführen können. Nun steht er gar vor der betrüblichen Tatsache, daß er mit Abschluß der Olympischen Spiele seinem verdienstvollen Verbandstrainer Christmann wird kündigen müssen, da ihm Geld für seine Weiterbeschäftigung nicht zur Verfügung steht. Die Folge wird natürlich ein starkes Absinken der Leistungen sein, vor allem in den technischen Übungen.

Man mußte endlich zu einer vernünftigen Finanzierung der Arbeit unserer Spitzenverbände kommen, die nicht, wie der Fußball, auf große Einnahmen zurückgreifen können. Schon im Vorjahre faßte der Deutsche Sportbund die Resolution, „innerhalb des Sports eine Verteilung von Toto-Mitteln in ausreichendem ständigem Finanzausgleich zugunsten des DSB und seiner Dachverbände beschleunigt durchzuführen“.

Nach einer offiziellen Verlautbarung der Bundesregierung ereichten die Umsätze der zehn deutschen Toto-Gesellschaften im vierten Jahr ihres Bestehens bereits die Milliardengrenze. Unwillkürlich fragt sich jeder Sportler, was mit den 50 v. H. dieses Umsatzes, die nicht an die Wetter ausgeschüttet wurden, geschehen ist? Und Dr. Max Danz, der Führer der Leichtathleten, forderte, nachdem er einen ungefähren Einbick in die Verteilung der Gelder genommen hatte, durch ein Bundes-Totogesetz in Zukunft dem Sport die Mittel aus den Toto-Überschüssen zu sichern, die er. dringend benötigt, um seinen übernommenen Aufgaben gerecht werden zu können.

Die Steuer, die ohnehin schon den Sport erheblich schröpft – allein im März zahlte die Fußballabteilung von Bayer-Leverkusen an „Lustbarkeits“-Steuern 6200 DM in die Stadtkasse – erhielt mit 21,9 v. H. den Hauptanteil der Toto-Gelder, nächst den Wettern. Die Verwaltungskosten der Toto-Gesellschaften betrugen 15 v. H., die Zuweisungen an die Sportorganisationen 7 v. H., während der Rest bei den Kultusministerien der Länder zweckgebunden einging. Der Sport wurde also wahrlich nicht verwöhnt.

Man kann die Forderung von Dr. Danz aber erst recht würdigen, wenn man die unterschiedlichen Zahlen der Verteilung der Toto-Überschüsse kennt, die erheblichen Gewinne verschiedener Hauptannahmestellen-Inhaber und vor allem die insgesamt viel zu hohen Verwaltungskosten sowie die Überschuß Verwendung in den einzelnen Ländern. Nehmen wir einmal die Zahlen aus der Zeit vom 1. August 1948 bis zum 31. Juli 1951: Bruttoumsatz 696 494 800 DM; Steuern 152 896 000 DM, Verwaltung 104 513 000 DM (!), Sportverbände und Sportbünde der Länder 49 016 000 DM, zweckgebunden für Sport bei den Kultusministerien der Länder 24 322 500 DM, Allgemeiner Haushalt für jugendpflegerische, kulturelle und soziale Aufgaben 18 413 000 DM. Das Verhältnis der Aufwendungen für Verwaltung und Sport von 104,5 Millionen : 49 Millionen ist so unhaltbar, daß man sich damit nicht ruhig abfinden kann. Umgekehrt wäre die Verteilung richtiger. Man sollte tatsächlich fordern, daß die Toto-Gesellschaften gezwungen werden, ihre Bilanz vorzulegen, damit man sehen kann, wofür diese Unsummen vergeudet worden sind. Wenn das „Bulletin“ meint, daß es zu den „segensreichen Seiten des Totos“ gehört, wenn ein großer Personenkreis durch eine feste Anstellung oder durch gelegentliche Mithilfe bei dem umfangreichen Betrieb ihren Lebensunterhalt verdienen, so sind wir ganz anderer Meinung. Wir könnten uns höchstens damit abfinden, wenn es sich bei. diesen Menschen um Kriegsbeschädigte, Flüchtlinge und Vertriebene handeln würde, aber nicht um Vertragsspieler und künstlich aus ihrem eigentlichen Beruf herausgezogene Sportsleute.

Niemand wird dem Deutschen Fußball-Bund abstreiten, daß er trotz aller unerfreulichen Vorkommnisse in seinen Reihen eine segensreiche Arbeit im Dienste der Volksgesundheit leistet, und er soll auch entsprechend seiner Größe und Bedeutung seinen gerechten Anteil am Sporttoto haben. Er sollte aber von sich aus gegenüber den anderen Sportarten eine echte Nachbarschafts- und Kameradschaftshiife üben und dafür sorgen, daß auch in die Kassen der übrigen Sportverbände einmal der Daktalos sich ergießt.

Wenn es nicht anders geht, so muß schließlich durch Verordnung eine gerechte Verteilung aller Gelder an die einzelnen Verbände vorgenommen werden. Der Sport seinerseits aber sollte sich insgesamt auch bescheiden und sich frei machen von dem Willen zur Abhängigkeit vom Staat und dem Steuerzahler. Wir sollen und müssen endlich den Sport auf eigene Füße stellen. Vergessen wir niemals, daß der deutsche Sport in Hütten groß geworden ist, und sorgen wir dafür, daß er nicht in Palästen zugrunde geht. Walther F. Kleffel