Wer im November 1923 vor der Feldherrnhalle stand, um von dort aus Berlin und die Macht zu erobern, oder um, so lautete damals das Führerwort, am nächsten Tag tot zu sein – es aber dann doch nicht war –, der bekam den „Blutorden“. Und heute darf er im „Augustinerkeller“ vor tausend tobenden Zuhörern über das Thema „Kriegsverbrecher“ sprechen. Es ist der Oberst a. D. Ludwig Guembel, ein Zwölfender, der sich wacker und nicht ohne gelegentlichen Hinweis auf seine feldherrnhallenden blutordentlichen Verdienste, emporgedient hat.

Zum deutschen Politiker bringt er etwa dieselben geistigen Qualifikationen und denselben Bildungsgrad mit wie der generalisierte Major Remer. Der Bayerische Soldatenbund hat ihn vor kurzem wegen „prosowjetischer Haltung“ aus seinen Reihen ausgeschlossen. Wes Geistes Kind er wirklich ist, das, so meinen die Kenner, wird sich erst herausstellen, wenn im Ost-West-Konflikt eine Entscheidung gefallen ist. Vorläufig spricht er so, daß Ultrarechts und Ultralinks gleichermaßen ihre Freude daran haben. Was bekanntlich nicht mehr paradox ist. – Seine eigene Gründung, allem Anschein nach gedacht als Gegenorganisation zum Soldatenbund, nennt sich „Diskussionskreis ehemaliger Frontsoldaten“, was absichtlich oder unabsichtlich stark an den „Führungsring ehemaliger deutscher Soldaten“ anklingt, den die Bundesregierung als kommunistische „Frontorganisation“ kennzeichnete.

In der Versammlung im Augustinerkeller kamen, neben dem wackeren Obristen von der Feldherrnhalle drei Kommunisten und ein SRP-Mann als Hauptredner zu Wort. Die Diskussionsredner wurden sorgsam ausgewählt und es mußte ein jeglicher angeben, bei welchem Truppenteil er gedient habe. „Königlich Bayerisches 26. Infanterieregiment“, sagte einer von ihnen. Er kam damit noch gerade durch, obgleich eigentlich nur der zweite Weltkrieg für voll genommen wird. – Der Tenor alle Reden? „Nieder mit dem Wehrbeitrag – bravo, bravo, bravo!“, „Keine Knarre für Adenauer – bravo, bravo, bravo!“, „Nieder mit dem Generalvertrag – bravo, bravo, bravo“, und so weiter. Ein Vertreter des Ostberliner Rundfunks war auch dabei. Kein Wunder, daß er strahlte!

Ist das ganze nur ein Sturm im Bierkeller? Vielleicht, aber der hat das letzte Mal die Sowjets bis zur Elbe gebracht. Zum Rhein und zum Atlantik ist der Weg noch kürzer. H. P. L.