Soeben ist der Schwede Hans Langhorst Sieger der „Ersten Professor-Porsche-Gedächtnisfahrt“ geworden: Mit seinem Volkswagen, der bereits 70 000 Kilometer „drauf hatte“, fuhr er. aus Nordschweden über Dänemark, Deutschland, Holland, Belgien, Frankreich, Schweiz, Italien nach Gmünd in Österreich, insgesamt 7500 Kilometer in sieben Tagen. Mehr als 1000 Autofahrer aus vielen Ländern Europas hatten sich hier, in der alten Stadt in Kärnten, versammelt, wo der Automobil-Konstrukteur Porsche eine Zeitlang seine Werkstätte hatte und wo nun ein Ehrenmal zu seinem Gedächtnis ein-

geweiht wurde: ein tüchtiger Bildhauer hat den Kopf des Konstrukteurs nachgebildet, den Kopf eines Mannes, der halb wie ein Handwerker, halb wie ein Gelehrter ausschaut. Dr. Nordhoff, der Generaldirektor des Volkswagenwerks in Wolfsburg, der mitteilte, daß seit dem Kriege 350 000 Volkswagen gebaut worden seien, hatte angesichts der wahrhaft internationalen Gästeschar Anlaß zu sagen: „Mögen diese Wagen eine große und friedliche Brücke zwischen den Völkern schlagen und damit eine höhere Mission erfüllen, als es eine sozialpolitische Utopie einmal höchst verworren und sich selbst berauschend an bombastischer Maßlosigkeit erträumte!“

Womöglich hat Nordhoff recht, daß er in seiner Gedächtnisrede sagte, Ferdinand Porsche sei vielleicht der letzte große Pionier des Automobilbaues gewesen: „Die Zeit der Pioniere im Automobilbau ist vorüber.“ Ganz sicher aber hatte Nordhoff recht damit, daß Hitlers Volkswagen-Idee eine sozialpolitische Utopie und eine bombastische Maßlosigkeit war.

Es war einige Jahre nach dem Kriege, nach seiner Rückkehr aus unverdienter französischer Kerkerhaft, daß Ferdinand Porsche von einem Hügel über der Stadt Wolfsburg, wo er in einer primitiven Behausung einmal sein Konstruktionsbüro gehabt hatte, auf das riesige Volkswagenwerk jenseits des Mittellandkanals hinüberschaute.

Dort gab es noch viele Trümmer, und doch lief die Produktion auf hohen Touren. Damals sagte Porsche, es käme nun auf die Arbeiter dieses Werkes an – auf die „Retter meines Lebenswerkes“. Damals wurde auch von der nun abgetanen Utopie gesprochen, einen Wagen für 1000 Mark zu bauen. Nur daß der Volkswagen, im Rahmen seiner Klasse, das billigste Automobil Europas bleiben müsse, das sei, so sagte Porsche, ein Teil der konstruktiven Idee. Das hat das Volkswagenwerk gehalten.

Damals stand noch alles – jeder Anblick, der sich im trümmerreichen Nachkriegsdeutschland darbot – im Zeichen der Zerstörung, im Zeichen der Verluste, mit der jeder das Hitlersystem und den Hitlerkrieg bezahlen mußte. Unter diesen Verlusten waren auch jene Sparbuchhefte, welche die „Volkswagensparer“ – im Glauben an jene sozialpolitische Utopie – mit Marken beklebt hatten. Wie seltsam, ja grotesk zu sehen, daß diese Geschädigten Hitlers, die „Volkswagensparer“, heute, da das Werk in Wolfsburg – und damit Porsches größte Leistung – in unendlichen Mühen gerettet wurde, in Prozessen ihren Beitrag am allgemeinen Verlust retten möchten ...

Mtr.