Die anhaltende Zurückhaltung der Käufer hat die Aktienkurse weiter abbröckeln lassen. Man wird sich an den Börsen immer stärker bewußt, daß die gegenwärtige Stagnation in erster Linie durch eine Steuergesetzgebung überwunden werden kann, die eine Kapitalbildung zuläßt. Die politischen Unsicherheiten sind erstin zweiter Linie für das schwache Geschäft verantwortlich zu machen. Bis zu in Erlaßeines vernünftigen Gesetzes werden die Börsenumsätze lediglich aus Umtauschoperationen bestehen, wenn man von den gelegentlichen Auslandskäufen über Sperrmark absieht.

Den Börsen vorstanden ist es inzwischen gelungen, einige der alliierten Bestimmungen für die Wiederzulassung der IG-Farben-Aktien zum Handel in eine für deutsche Verhältnisse erträgliche Form zu bringen. Es bleibt jedoch (vorerst?) die Komplizierung des Aktien Verkehrs durch das zeitraubende Umschreibverfahren bestehen. Man glaubt sogar, daß sich diese Einengung des freien Verkehrs auf den IG-Farben-Kurs auswirken wird. über die Entwicklung dieses Kurses werden natürlich unaufhörlich Prognosen angestellt. Dabei ist die entscheidende Frage, in welchem Maße das Publikum von der seit sieben Jahren verwehrten Erlaubnis Gebrauch machen wird, die Papiere zu verkaufen. Bei der augenblicklichen Börsenverfassung liegt ein Unterparikurs durchaus im Bereich des Möglichen.

In diesem Zusammenhang muß auf die Montanpapiere verwiesen werden, wo die Unterbewertung deutlich sichtbar geworden ist. Der Kurs bei Mannesmann von 150 v. H. bedeutet bei der 1:2-Umsteilung 75 v. H. in DM (dabei ist eine angemessene Dividende angekündigt!). Der Kurs von 210 v. H. bei der GHH liegt bei 70 v. II., wenn man eine Umstellung von 1:3 zugrunde legt. Stahlverein erreicht bei der gleichen Umstellungstaxe einen DM-Kurs von nur 60 v. H. In der abgelaufenen Börsenwoche haben die Aktien der Harpener Bergbau eine Korrektur nach oben erfahren (von 215 auf 232 v. H.). Dieser sprunghafte Anstieg wird mit der günstigen Umstellung begründet, die nach Ansicht informierter Kreise zwischen 1:3 und 1:3,7 liegen wird. Allerdings hat die Verwaltung der Gesellschaft darauf hingewiesen, daß eine Entscheidung über diese Frage erst in einer AR-Sitzung fällt, die Ende dieses Monats stattfindet.

Ein Wochenvergleich bringt den Kaliwerken ein kräftiges Minus, während sich die Elektro werte als stabil erwiesen. Reedereien konnten ebenfalls ihren Stand halten. Bei den Versorgungspapieren waren RWE und HEW wieder rückläufig. Die Atlaswerke erlebten einen Anstieg von 108 auf 118 v. II., ohne daß eine Begründung für diese Bewegung erhältlich war. – Am Rentenmarkt nahmen die Institute die im üblichen Rahmen anfallenden Beträge zu den bisherigen Kursen auf. Die Bemühungen um eine angemessene Kurspflege blieben spürbar. Die 4prozentige Hamburger Anleihe von 1942 wurde von 65 auf 70 v. H. heraufgesetzt. -ndt