Der englische Verteidigungsminister, Feldmarschall Earl Alexander, ist in Begleitung des Staatsministers Selwin Lloyd in Korea eingetroffen, um mit seinem alten Kameraden aus dem Afrikafeldzug, dem amerikanischen Oberbefehlshaber der UNO-Truppen, General Mark W. Clark, alle Schwierigkeiten zu erörtern, die in England zu einer wachsenden Kritik an der amerikanischen Führung in Korea beigetragen haben. Diese Kritik betrifft besonders die Waffenstillstandsverhandlungen auf die England durch die Teilnahme eines englischen Vertreters Einfluß zu nehmen wünscht. – Earl Alexander hofft auch in Tokio zu einer befriedigenden Verständigung über die Unterhaltskosten für die in Japan befindlichen englischen Truppen zu gelangen. Die japanische Regierung hat zwar nach dem Inkrafttreten des San-Francisco-Vertrages ihre Einwilligung gegeben, daß englische Truppen sich während der Dauer des koreanischen Krieges in Japan aufhalten; sie ist aber nicht bereit, sich in irgendeiner Weise an den Kosten für den Unterhalt dieser Truppen zu beteiligen.

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Vor dem Internationalen Gerichtshof im Haag haben die Verhandlungen über den ölkonflikt zwischen England und dem Iran begonnen, bei denen es sich zunächst um die Frage handelt, ob der Gerichtshof überhaupt zuständig ist. Während Ministerpräsident Mossadegh sich in seinen Ausführungen vor dem Gericht auf den politischen Aspekt des Streites beschränkte, wies der belgische Professor der Rechtswissenschaft, Henri Rolin, als Rechtsanwalt der iranischen Regierung in seinem Plädoyer nach, daß die Bedingungen, unter denen Iran im Jahre 1932 die Rechtsprechung des Internationalen Gerichtshofes anerkannte, ausdrücklich alle diejenigen Streitfälle der Zuständigkeit des Gerichtshofes entziehen, die aus Verträgen und Abmachungen herrühren, welche vor dem Jahre 1932 geschlossen wurden. Wenn der Gerichtshof sich dieser Auffassung anschließen sollte, dann wäre die wesentliche Forderung Englands nach einem Schutz seiner Verträge mit Persien aus den Jahren 1857 und 1903 unbegründet und hinfällig. Im übrigen stellte Professor, Rolin fest, daß nach der Charta der Vereinten Nationen ein Akt der Verstaatlichung nicht unter die Jurisdiktion der UNO oder irgendeines ihrer Organe einschließlich des Internationalen Gerichtshofes falle. – Der Gerichtshof wird zu einer baldigen Entscheidung kommen müssen, nachdem vor einigen Tagen die ersten Tanker mit Öl aus Abadan für italienische und Schweizer Empfänger ausgelaufen sind. – Ministerpräsident Mossadegh erklärte, daß er, sobald der Beschluß des Gerichtshofes vorliege, sein Amt niederlegen und es anderen überlassen werde, irgendein neues Abkommen, das notwendig werden sollte, zu unterzeichnen.

Alle wichtigen Ämter für den am 7. Juli in Chikago beginnenden Konvent der Republikanischen Partei sind mit Taft-Anhängern besetzt worden, die somit den Konvent beherrschen und bereits begonnen haben, die Anhänger Eisenhowers zu brüskieren. Insbesondere hat die Ernennung des Generals McArthur zum Hauptredner, der die richtungweisende Eröffnungsansprache des Konvents halten soll, bei den Anhängern Eisenhowers erhebliche Verstimmung hervorgerufen, weil durch diese Ernennung das ungeschriebene Gesetz der Partei verletzt wurde, nach dem ein „Neutraler“ für diesen Posten bestimmt werden muß. McArthur hat sich aber während des bisherigen Wahlkampfes eindeutig für Taft und gegen Eisenhower ausgesprochen, Wenn diese Taktik von den Taft-Anhängern fortgesetzt wird – und alle Anzeichen sprechen dafür –, dann kann es zu einer Spaltung innerhalb der Republikanischen Partei kommen. Ein warnendes Beispiel ist der republikanische Parteikonvent von 1912, auf dem sich William Howard Taft, der Vater des jetzigen Präsidentschaftskandidaten, und Theodore Roosevelt um die Präsidentschaftskandidatur bewarben. Damals stand die Parteimaschine dem Vater Taft zur Verfügung, die sich so rücksichtslos für ihn einsetzte, daß die Anhänger Roosevelts sich selbständig machten und Theodore Roosevelt zu ihrem unabhängigen Kandidaten erklärten. Bei der Wahl unterlägen sowohl Taft wie Roosevelt dem Kandidaten der Demokratischen Partei, Woodrow Wilson. Es gibt nicht wenige politische Beobachter in den Vereinigten Staaten, die an eine ähnliche Entwicklung in diesem Jahre glauben und den Sieg des demokratischen Kandidaten voraussehend

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Der amerikanische Hohe Kommissar John McCloy hat dem Außenpolitischen Ausschuß des amerikanischen Senats in einem Schreiben mitgeteilt, daß die Aufstellung der deutschen Streitkräfte innerhalb der nächsten drei Jahre etwas über 28 Milliarden DM kosten werde. Seine Schätzung blieb damit um 12 Milliarden hinter der Ziffer zurück, die der Sicherheitsbeauftragte der Bundesrepublik, Theodor Blank, in seiner Rede vor Studenten der Universität Bonn genannt hatte.

In dem gleichen Schreiben erklärte der Hohe Kommissar, die Vereinigten Staaten hätten der Bundesrepublik die Zusicherung gegeben, daß die Materialbedürfnisse der deutschen Streitkräfte und die wirtschaftlichen und finanziellen Bedürfnisse der Bundesrepublik nach der Ratifizierung der Verträge die gleiche Berücksichtigung finden würden wie die Bedürfnisse der anderen Mitgliedstaaten der europäischen Verteidigungsgemeinschaft und der anderen an der Verteidigung der freien Welt teilnehmenden Nationen.