In den vergangenen zwei Wochen sind von verschiedenen Ländern neue Einfuhrbeschränkungen angekündigt worden, die sich leicht zu einer gewissen Bedrohung des Welthandels auswachsen können. So ist zunächst in Indonesien wegen der prekären Lage der Landesfinanzen und der rückläufigen Deviseneinkünfte die Einfuhr von Luxuswaren verboten worden. Der Begriff „Luxusware“ wurde dabei leider sehr weitgehend ausgelegt. Darunter fallen auch. Kristallwaren, Möbel, bessere Spielwaren und Lederwaren, vom Koffer bis zur Aktenmappe und Brieftasche. Pakistan plant wegen der rückgehenden Preise für seine eigenen Produkte (vor allem für Jute) ebenfalls eine drastische Einfuhrbeschränkung. Man spricht hier von einer Einschränkung um 30 v. H. bei der Einfuhr von 14 Warensorten, darunter Textil- und Lederwaren. Ferner ist die indische Re – gierung in Beratungen über eine Beschränkung ihrer Importe eingetreten. Sie wird mit der starken Unterbilanz im Außenhandel begründet, die sich durch die großen Weizeneinführen aus den USA ergeben hat. Und schließlich wird neuerdings in England von einer weiteren Einschränkung der Einfuhr gesprochen ...

Diese Nachrichten stehen in einem gewissen Gegensatz zu der in der Berichtsperiode etwas günstigeren Preisbewegung für Rohstoffe und Lebensmittel an den USA-Börsen und bestätigen, daß die amerikanische Preisbildung nicht mehr so ausschlaggebend für die Welt ist wie etwa noch imvorigen Jahre. Die Nebenmärkte gewinnen offensichtlich wieder eine größere Bedeutung für die Weltwirtschaft. Diese Nachrichten stehen auch im Gegensatz zu manchen Äußerungen aus der deutschen Industrie, in denen noch immer die Meinung vertreten wird, daß die gegenwärtige kritische Lage wichtiger Industriezweige nur eine vorübergehende Erscheinung sei und zu Besorgnissen keinen Anlaß 6cebe. Die in diesen Tagen veröffentlichte recht pessimistische Konjunkturdiagnose des IFO-Instituts für Wirtschaftsforschung in München scheint jedenfalls eher den Tatsachen gerecht zu werden als die übrigen Konjunkturbetrachtungen der letzten Zeit. Gewiß besteht bei uns noch immer ein großer Nachholbedarf und die Ausfuhraussichten sind bei der wohlwollenden Haltung vieler Länder gegenüber deutschen Erzeugnissen keineswegs „ungünstig. Aber die Kaufkraft der deutschen Bevölkerung reicht nicht aus, um beispielsweise 60 DM für den Meter Kleiderstoff zu bezahlen, die noch immer in manchen Ateliers der Maßschneider gefordert werden, obwohl die Aachener Tuchfabriken heute beste Ware für weniger als 30 DM je Meter liefern. Das Ausland kann uns unter den heutigen Verhältnissen Waren in größerem Umfang nur abnehmen, wenn wir unsererseits genügend von dort beziehen Der deutsche Kaffeehandel hat bereits 1950 darauf aufmerksam gemacht, daß die vielversprechende Ausfuhr nach Brasilien nicht voll zur Entfaltung kommen könne, wenn die hohe, auf den Verbrauch drückende Kaffeesteuer bestehen bliebe. Er hat immer wieder eine stärkere Ermäßigung der Steuer gefordert, die aber ebensooft verweigert wurde. Mit dem Erfolg, daß Brasilien nunmehr, wie bekannt, einen Lizenzstop für deutsche Waren erklärt hat.

Auf dem Chikagoer Getreidemarkt ist in der ersten Junihälfte eine für diesen Artikel sehr kräftige Abschwächung des Weizenpreises im 1. Termin um über 3 cts von 234,87 auf 231,75 je bushel eingetreten, während er vor einem Monat noch auf über 246 stand. Der Grund für diesen scharfen Rückgang liegt in den immer günstiger lautenden Nachrichten über die kommende Weizenernte in den USA, die jetzt bereits auf 1348 Mill. bu geschätzt wird gegen 987,5 Mill. bu in 1951 Bewahrheitet sich diese Schätzung, dann werden die USA diesmal die zweitgrößte Weizenernte in der Geschichte ihres Landes einbringen, während die Aussichten für den Absatz des gegenüber dem Vorjahre um 360 Mill. bu höheren Ertrages bei den guten Ernteaussichten in Europa, Kanada und Australien ungünstiger als bisher in der Nachkriegszeit sind. Um so mehr als nun auch die UdSSR mit größeren Ernteüberschüssen auf dem Markt zu erscheinen beabsichtigt. Die Sowjets sollen, nach den „Corn Trade News“, bereits 100 Mill. bu für die kommende Saison angeboten haben, und zwar zu Preisen, die unter dem Weltniveau liegen und im übrigen jetzt auch bereit sein, sich am Internationalen Weizenabkommen mit einer Quote von 100 Mill. bu zu beteiligen. Die Weltweizenversorgung ist also günstiger als je, und die Preise werden trotz des Weizenabkommens voraussichtlich kräftig unter Druck stehen.

Die Zuckernotierung an der New Yorker Börse für den Weltkontrakt 4 ist neuerdings ebenfalls zurückgegangen, hat sich aber in den letzten Tagen infolge kleinerer Bedarfskäufe etwas von ihrem tiefsten Stande (4,05 cts je lb) erholt und steht jetzt 4,13 cts. Der neue Rückgang ist auf die zu erwartende Rekordernte in Cuba, dem größten Zuckerausfuhrland, zurückzuführen, die jetzt auf rund 6,70 Mill. lgt geschätzt wird (6,30 Mill. t im Vorjahr). In Cuba beschäftigt man sich zur Zeit ernsthaft mit der Frage, wie ein weiterer Rückgang der Preise zu vermeiden ist, wobei sowohl Maßnahmen zur Einschränkung des Verkaufs wie auch des Anbaues erörtert werden. Der Handel hält gegenwärtig mit Ankäufen stark zurück und nimmt nur Bedarfsdeckungen kleinsten Umfanges vor, da man ein weiteres Abbröckeln des Preises für unausbleiblich hält.

Auf dem Kautschukmarkt haben sich die Preise inzwischen von ihrem Rückgang Ende vorigen Monats auf unter 2 s je 1 1b etwas erholt. In London notierte Nr. l RSS am 13. Juni loko 26 1/2 cts, in New York 29,55 cts je 1 lb. Die Erholung ist in der Hauptsache darauf zurückzuführen, daß eine weitere Ermäßigung der USA-Kunstkautschukpreise als unwahrscheinlich angesehen wird, ja, daß man von einigen Seiten sogar eine Erhöhung als nicht unmöglich betrachtet, angesichts der Notwendigkeit, den Übergang der amerikanischen Regierungsfabriken in Privathände so anziehend wie möglich zu gestalten. Abgegeben werden, sollen 26 solcher Fabriken, deren Aufbau seinerzeit einen Kostenaufwand von 750 Mill. $ erfordert hat. – Von den Kautschukpflanzern in Malaya und dem Fernen Osten wird eine Auflockerung der Liefersperre nach den Oststaaten gefordert. Die Produzenten aller Länder klagen allgemein darüber, daß sie mit den jetzigen Preisen nicht auskommen, in vielen Fällen nicht einmal die Selbstkosten decken können. Zur Unterstützung ihrer Produzenten hat nun auch die indonesische Regierung die Exportabgabe herabgesetzt, ebenso wie das vorher die malayische getan hat. Für das dritte Quartal werden nur noch 41 est per kg erhoben werden gegen 55,4 cts für das laufende Quartal. – Neuerdings hat die Nachfrage nach flüssigem Latex zugenommen. Lokoware wird jetzt sogar mit einer Prämie über Verschiffungsmaterial gehandelt anstatt wie früher mit einem geringen Diskont.

Auf dem Häute und Fettmarkt hat sich die Tendenz weiter befestigt und die Preise haben in den letzten Wochen eine neue Aufbesserung erfahren-, Häute gehören im übrigen zu den wenigen Rohstoffen, deren Preise gegenwärtig bereits unter dem Vor-Korea-Niveau liegen. Das gleiche ist der Fall bei Kopra und bei Wolle, während Zucker etwa auf dem gleichen Stand steht wie unmittelbar vor Ausbruch des Krieges. o 1.