Wenn jemand in „seinen“ Klub geht, so bedeutet das ja wohl, daß er einige Zeit in angenehmer Gesellschaft verbringen und ergo sich dieses auch etwas kosten lassen will... So ist es überall in der Welt, ausgenommen nur in Hamburg, in Bremen und in den benachbarten Gebieten. Denn die Hamburger, die Holsteiner und die Heidjer haben eine Institution geschaffen, die nirgendwo sonst ihresgleichen hat: den Sparklub nämlich, und sie haben damit das einzigartige Kunststück fertiggebracht, fröhliche Geselligkeit, die sonst nur Geld kostet, für das Geldsparen nutzbar zu machen.

Wer diese Dinge kennt, den wird es nicht weiter wundern, daß in den beiden „Stadtstaaten“ die höchsten Sparbeträge je Kopf erreicht worden sind, und daß in Hamburg der Einlagenzuwachs für 1951 (auch dank geringerer Abhebungen in den „kritischen Monaten“ Januar und Februar) mit 35 v. H. fast doppelt so hoch war, wie im Bundesdurchschnitt (mit 19 v. H.). Selbst in den ersten Monaten des neuen Jahres, die überall Rekordziffern für die Einzahlungen brachten, haben die beiden Hamburger Institute ihre Spitzenstellung behalten können; bemerkenswert ist, daß nicht nur die bisherigen Kunden zu dem Einlagezuwachs beigesteuert haben, sondern daß verhältnismäßig ebenso viele neue Konten eröffnet wurden, wie sonst im Bundesdurchschnitt. Bei der „Hamburger Sparcasse von 1827“, die in diesen Tagen 125 Jahre besteht, wird für die letzten zwölf Monate, von Mitte Juni 1951 bis zum Jubiläumstag, ein Einlagenzuwachs von fast genau 50 v. H. ausgewiesen; damit ist die Summe von 100 Mill. DM Spargeldern und 75 Mill. sonstigen Einlagen erreicht.

Als 1927 das 100jährige Bestehen des Instituts gefeiert wurde, hatte Alfons Paquet die Jubiläumsschrift verfaßt; diesmal ist Dr. Ernst Samhaber mit der gleichen Aufgabe betraut worden, und der nun vorliegende stattliche Band, dessen Bildschmuck B. Karberg (Bergedorf) besorgt hat, ist ein gültiges Zeugnis dafür, daß man sich in Hamburg auf die sorgsame Pflege einer guthanseatischen Tradition versteht. Mit besonderem – und berechtigtem! Stolz wird darauf verwiesen, daß die „Sparcasse“ kein städtisches (oder staatliches) Institut darstellt, sondern „frei“ ist: in freier Initiative entstanden, gewachsen und geworden, hat sie sich durch alle Krisen hindurch aus eigener Kraft behauptet. Insofern war sie glücklicher als ihre Vorgängerin, die erste deutsche Sparkasse überhaupt, die von der „Patriotischen Gesellschaft“ 1778 (als (Unterabteilung einer „Allgemeinen Versorgungsanstalt“) gegründet, die napoleonischen Kriege und die damalige „Besatzungszeit“ von 1810 bis 1814 nicht überstanden hat, sondern (bei immerhin 1 Mill. Mark Kurant Einlagen) in die erst 1823 beendete Liquidation gehen mußte. An dem von der Vorgängerin übernommenen Grundsatz aber, daß der Hamburger Bürger sich ehrenamtlich für die gemeinnützige Arbeit der Kasse zur Verfügung stellen solle, hat man zäh festgehalten. Vor 50 Jahren noch gab es nur 52 besoldete Angestellte, dagegen über 200 ehrenamtliche Mitarbeiter. Erst 1918 ist der allgemeine Geschäftsbetrieb ganz in die Hände von „Funktionären“ übergegangen. Und bis heute ist die Tätigkeit in der „Hauptversammlung“, die das oberste Organ des Unternehmens darstellt (also gleichsam die Aufgaben der Gründerversammlung weiterführt), ehrenamtlich geblieben. Die „Hauptversammlung“, mit etwa 40 Mitgliedern, ergänzt sich selbst durch Kooptation aus dem Kundenkreis; sie wählt auch aus ihren Reihen den Verwaltungsrat, der den Vorstand bestellt und die Aufsicht über die laufenden Geschäftsgänge ausübt. Es geht also auch ohne die Mitwirkung des Staates, in Selbsthilfe und Eigenverantwortung, mit dem Mittel der Selbstverwaltung. E. T.