Von den zahlreichen namhaften Geburtstagskindern, die in der zweiten Junihälfte eine runde Zahl von Lebensjahren vollenden (neben Strawinsky werden noch Wilhelm Hausenstein, Carl Diem und Eduard Spranger die Grenze der Siebzig überschreiten), ist Ernst Heimeran das jüngste. Er wird am 19. Juni fünfzig, aber am gleichen Tag feiert sein Verlag das dreißigjährige Bestehen. Das ist für einen Verlag heutzutage schon ein stattliches Alter, besonders für einen Verlag, der mit allem, was er auf den Markt bringt, durch neue Einfälle überrascht. Jedes Buch des Ernst Heimeran Verlages, ob es nun von Ernst Heimeran selbst geschrieben ist oder von einem Autor, den er frisch entdeckt hat, ist sozusagen ein Unikum. Der Verleger selbst nicht minder. Schon darum, weil er erst zwanzig Jahre alt war, als er den Verlag startete. Doch damals, 1922, sah er schon auf eine fünfjährige Erfahrung als Herausgeber einer Zeitschrift zurück: sie hieß „Der Zwiestrolch“ und erschien in München, wo gerade „Der Zwiebelfisch“ Hanns von Webers den Schwierigkeiten des Krieges erlegen war. Eine Linie wurde fortgesetzt, eine echt münchnerische Linie: grundgescheite und peinlich genaue Literaturpflege, verbunden mit Freude am skurrilen Scherz. In der Stadt der Münchner Bilderbogen, der Stadt Karl Valentins, gedieh diese Mischung wie sonst nur noch in Paris, und Ernst Heimeran wurde ihr Mentor durch die schweren Jahre der Wirtschaftskrise, der gelenkten Literatur, des Bombenkrieges und der Reeducation.

„Wahre Heiterkeit ist eine ernste Sache“, so Heimerans Verlagsspruch. Kathederblüten und Juxverse, vertrallte Parodien und unfreiwillige Galgenlieder, Anstandsregeln und 99 uralte Lehren, das Glück zu mehren, dem Unglück zu wehren – alles sammelt er oder läßt er mit derselben philologischen Treue sammeln, wie die kleinen Meisterstücke der antiken Literatur, die er in seiner zweisprachigen Tusculum-Bücherei ausbreitet. Fast jedes Buch aus seinem Verlag könnte von ihm selbst geschrieben oder gesammelt sein (bis auf die von Ernst Penzoldt, dem aber erst Ernst Heimeran Lust zum Schriftstellern machte). Aber bei, vielen hat er nur als Anreger fungieren können, weil er seinen eigenen Alltag, die Kinder, den Garten, das Haus beobachten und beschreiben mußte. Die Heimerankinder Christiane und Till, daran ist nicht zu zweifeln, werden in die Fußstapfen des Vaters treten. Aber noch wird dieser erst fünfzig, und so ist, da seine Regsamkeit und Produktivität gewiß noch Jahrzehnte anhalten wird, fast zu befürchten, daß einem Nachfolger späterhin nichts mehr zu tun übrigbleiben wird. E. V.