Jahresberichte von Landeszentralbanken sollen zweierlei Aufgaben erfüllen: Rechenschaft über jeweils zwölf Monate einer vergangenen Berichtsepoche ablegen und geldmarktpolitische Kriterien darlegen, aus denen Wirtschaftspolitik und Wirtschaftspublizistik Rückschlüsse für Gegenwart und nahe Zukunft ziehen können. Die Landeszentralbank von Nordrhein-Westfalen erfüllt diese doppelte Aufgabestellung in etwa. Leider ist das Institut sehr zurückhaltend mit kritischen Bemerkungen. Das ist bedauerlich, da ja das Institut mit 353 Mrd. DM Umsätzen in 1951 im deutschen Landeszentralbanksystem obenan steht.

Die Zahl der Kreditinstitute in Nordrhein-Westfalen ist mit 1568 ein weiterer Widerschein für die in diesem Lande zusammengeballte Wirtschafts- und Finanzkraft. Neben diesen 1562 Instituten bestehen noch 1200 Zweigstellen. Die LZB erwähnt in diesem Zusammenhang, daß bisher nur 206 dieser Institute Umstellungsrechnungen vorgenommen haben, wobei es „einigen Kreditbanken, vor allem Privatbankiers, gelang, ihr Eigenkapital dem gewachsenen Einlagen- und Kreditvolumen besser anzupassen.“

Das Institut erklärt die Zunahme der Bargeld-Ausgabe von 770 Mill. DM in 1950 auf 1,1 Mrd. in 1951 wie folgt: Der größere Bargeldbedarf ist nicht nur eine Folge gestiegener Löhne, Preise und Umsätze bei stärkerer Beschäftigung, er ist auch mit auf das Bestreben zurückzuführen, die im Herbst und Winter aufgelösten Kassenbestände wiederaufzufüllen; ferner spielen Veränderungen der Zahlungsgewohnheiten eine Rolle, „da die hohen Steuersätze dazu verleiten, Wirtschaftsumsätze bar abzuwickeln“.

Bemerkenswert sind einige Daten zur Geldkapitalbildung in NRW. Sie belief sich wieder auf etwa 1,2 Mrd. DM. 1950 war die öffentliche Hand mit rund einem Viertel an der Aufbringung dieser Mittel beteiligt; 1951 war es schon die Hälfte. Die öffentliche Hand stellte – eine Folge der überhöhten Steuern – nicht nur 430 Mill. für langfristige Ausleihungen zur Verfügung, sondern zeichnete auch den weitaus größten Teil der 232 Mill. DM Pfandbriefe und Kommunalobligationen, die die Realkreditinstitute unterbringen konnten. Die zweitstärkste Quelle der Geldkapitalbildung waren die Spareinlagen.

Von den langfristigen Ausleihungen (ebenfalls 1,2 Mrd. DM) gingen 473 Mill. DM in den Wohnungsbau, 100 Mill. DM in das ländliche Siedlungswesen und 277 Mill. DM an Industrie, Handel und Gewerbe. Die der Wirtschaft Ton Nichtbanken zugeflossenen langfristigen Mittel beliefen sich dagegen auf nur 16 Mill. DM Schuldverschreibungen und Wandelschuldverschreibengen aus Industrie-Emissionen! Dieser Unterschied zwischen der öffentlichen und privaten Kapitalmarktversorgung erscheint fast grotesk Rlt.

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Gleichzeitig liegen die Jahresberichte der Landeszentralbanken von Hessen (Grundkapital 30 Mill. DM), Bremen (10 Mill. DM) und Berlin (5 Mill. DM) vor. Übereinstimmend lassen die Berichte eine günstige Geschäftsentwicklung in 1951 erkennen. Der Reingewinn der LZB Hessen beträgt 10 Mill. DM, aus dem 2 Mill. DM der gesetzlichen und 0,8 Mill. DM der sonstigen Rücklage zugeführt werden, der Rest fällt dem Lande Hessen als Anteilseigner zu. Die LZB Bremen hatte einen Reingewinn von 5,23 Mill. DM, aus dem 1,3 Mill. DM der gesetzlichen und 1,2 Mill. DM der freien Rücklage zugeführt werden. 2,73 Mill. DM erhält die Stadt Bremen. Die Berliner Zentralbank erwirtschaftete einen Reingewinn von 1,765 Mill. DM, aus dem 0,36 Mill. D-Mark der gesetzlichen Rücklage zugeteilt und 1,405 Mill. DM an die Stadt Berlin abgeführt werden.