Der Zwang, nicht allein unsere gesamte Einfuhren durch Ausfuhrleistungen zu bezahlen, sondern darüber hinaus noch einen Auslandsschuldendienst in Devisen zu finanzieren, fordert eine eingehende Prüfung aller Ausfuhrmöglichkeiten. Hierbei dürfte die Auslands-Marktforschung eine um so wichtigere Rolle spielen, als unsere Kenntnis der Außenhandelsmöglichkeiten noch immer lückenhaft ist.

Es ist zweifellos ein Verdienst der privatwirtschaftlichen Auslandsmarktforschung, durch sorgfältige Analysen wertvolle Erkenntnisse gesammelt zu haben, die unserem Außenhandel zugute kommen, und die vor Fehlentscheidungen und Verlusten schützen können. Nun hat die private Auslandsmarktforschung eine natürliche Grenze in der rein privatwirtschaftlichen Beurteilung ihrer Rentabilitätsaussichten. Die Wirtschaft wird lediglich in dem Umfange als Auftraggeber für Auslands-Marktforschungsaufträge in Betracht kommen, als sie sich aus dieser Arbeit einen Gewinn für sich selber verspricht. Hierdurch werden Kostengrenze und Richtung fixiert. Man kann also nicht behaupten, daß unter solchen Gesichtspunkten auch die letzten Ausfuhrmöglichkeiten erforscht werden. Hier setzt die Notwendigkeit der staatlichen Auslandsmarktforschung ein. Man kann sich mit gutem Erfolg der bewährten privaten Marktforschungsinstitute bedienen. Aber es wäre auch denkbar, die Arbeit in staatliche Regie zu nehmen.

Den letzteren Weg geht die kgl. schwedische Regierung. Sie begann sich schon vor rund 40 Jahren für das Hinaussenden von Marktforschern zu interessieren, um Untersuchungen mehr allgemeiner Natur über Absatzmöglichkeiten auf abgelegenen, aber möglicherweise bedeutungsvollen Märkten vornehmen zu lassen. Für diese Forschung sollten Kräfte gewonnen werden, die nicht aus der Verwaltung kamen, sondern die aus der Praxis stammten. Neben den Untersuchungen in abseits gelegenen Ländern über die Entwicklungsmöglichkeiten des gegenseitigen Handelsverkehrs traten methodische Spezialuntersuchungen, um genaue Angaben über die Absatzaussichten einzelner Waren auf bestimmten Märkten zu erlangen. Marktuntersuchungen der ersten Art sollten dann durchgeführt werden, wenn der Wirtschaftsverkehr mit einem Gebiet wünschenswert erschien, ohne daß es aus Kostengründen möglich war, die Privatwirtschaft hierfür zu interessieren.

Für diese Aufgaben wurden nicht die Handelsattachés oder Konsuln eingesetzt. Vielmehr wurde für diese neue Form der Außenhandelsförderung der Typ des Handelssekretärs geschaffen, der in erster Linie wirtschaftliche Vermittlungs- und Unterrichtungstätigkeit betreiben sollte. Dabei bewährten sich Wirtschaftspraktiker besonders gut. Entgegen den ursprünglichen Planungen zwang die Notwendigkeit, auch für die schwedische Wirtschaft „harte“ Dollars zu verdienen, die maßgeblichen Stellen, das Schwergewicht der staatlichen Auslandsmarkt-Forschung auf den Dollar-Raum zu verlagern. Zu den staatlichen Aufwendungen von 250 000 skr. im Jahre 1950 rechnet man noch private schwedische Ausgaben für Marktforschungszwecke von etwa der dreifachen Höhe. Hierbei sind die Kosten der schwedischen Wirtschaft für ausgedehnte Studienreisen in den USA noch nicht eingerechnet.

Die Berichte der schwedischen Handelssekretäre zeigen die eingehenden Bemühungen, der heimatlichen Industrie die Absatzmöglichkeiten im Ausland zu ermitteln. Darüber hinaus werden durch Musterschauen auch weitgehende Schritte zur praktischen Geschäftsanbahnung unternommen. Die staatliche schwedische Marktforschung verdrängt also nicht die private Initiative, sondern sie ergänzt und unterstützt sie. Und deshalb könnte sie für unsere eigenen Bemühungen auf dem Gebiete der Außenhandelsförderung beispielhaft sein. G. A. Jörss