Wir hörten:

Eine phantastische Geschichte, beim Wein erzählt“, ist der Untertitel des Hörspiels „Der Delphin“ von Ernst und Günter Penzoldt im Bayerischen Rundfunk. Ihr Erzähler bringt seine Geschichte im Gasthaus an den Mann; stückweise – diese Stücke werden als Spiel eingeblendet – gibt er sie preis, jeweils zwischen zwei Schluck Wein ... Auf Xanthos ist der Jüngling Chorillo mit einem Delphin befreundet, gern reitet er auf ihm ins Meer. Ein Kellner lebt da, mit dem Namen des Gottes Apollo, und Chorillos Braut, die Moira heißt wie das Schicksal. „Chorillo“, mahnt Apollo, „der Delphin, er ruft dich.“ Moira beschwört den Jüngling: „Geh nicht, du wirst dir den Tod holen!“ Doch Chorillo reitet – und am Abend ist der Delphin von Moira erstochen; er weinte wie ein Mensch, eh’ er verschied. Nachts schreitet der Jüngling mit einem Fremden ins Meer hinein. „Wer bist du?“ fragt er noch. Und man hört: „Musagetes, und der Weithintreffende, auch Delphinos heiße ich – und Apollo. Komm!“ Nie werden sie wiederkommen.

Diese Geschichte aus Xanthos kannte schon der jüngere Plinius, aber er wußte noch nicht, wie man sie erzählen muß. Penzoldt verriet es: „... bei einem Drittel Wein, einem Drittel Tabak und einem Drittel Phantasie.“

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Der Funk hat vielleicht als einzige Institution die Möglichkeit, sich der neuen Musik tatkräftig anzunehmen. Ähnlich wie der NWDR mit seinem „Neuen Werk“ tut dies auch der Hessische Rundfunk mit seiner alljährlichen „Woche für Neue Musik“ Für 1952 ist sie vorüber, aber das Abendstudio hat sich vorgenommen, nach und-nach ihr gesamtes Programm zu senden.

So hörte man beim letztenmal: die fünfte, konzertante Sinfonie des Scherchen-Schülers K. A. Hartmann, eine seiner unbeschwerteren Kompositionen; dann folgten, von Yvonne Loriod sehr sicher gespielt, Olivier Messiaens sechs Klavierstücke, die bei ihrer Frankfurter Aufführung ein starkes Für und Wider geweckt hatten. Verständlich, denn dem Hörer wird in kurzer Zeit viel zugemutet: sein Ohr soll mitgehen von Papua-Melodik über gregorianische Strenge zu orientalischem Tanz. Aber er ist fasziniert.

Wir werden hören: