Neuerdings hat die Hamburger Polizei das„Recht“, einen Mann, der, etwa in der Umgebung einer Kneipe, Miene macht, in ein Auto zu steigen – mag es auch sein eigenes sein –, zu einem Amtsarzt zu schleifen, damit ihm eine Nadel ins Ohrläppchen gebohrt und ein Tropfen Blut entzogen werde. Ob er Alkohol getrunken hat oder nicht: der unfreiwillige Patient muß diese Behandlung nicht nur erdulden, er muß sie auch bezahlen. Zur Prozedur selbst genügt es, daß der Polizist glaubt, der Verdächtige habe getrunken ...

An dieser Stelle der Beschreibung einer neuen, durchaus autoritär anmutenden Polizeiverordnung angekommen, höre ich im Geiste die Stimmen, die im Chore rufen, die Verkehrsunfälle seien so schlimm, daß jedes Mittel, auch das Schärfste, gerade richtig sei. Diese Stimmen haben recht. Jedoch – scharfe und schärfste Mittel kann man nur dann bejahen, wenn sie nicht autoritäre Maßnahmen sind, Maßnahmen gegen die persönliche Freiheit, angewandt nur auf Verdacht.

Nach dem Kriege kam die Besatzungsmacht auf die absurde und abscheuliche Idee, Frauen und Mädchen (wenn sie zufällig an irgendwelchen Lokalen, oder bestimmten Straßen entlang gegangen waren) einzufangen und sie auf gewisse Krankheiten untersuchen zu lassen. „Die Sieger üben sich im Hitlerismus“, so lautete damals ein Satz ... J. M.