Kürzlich sah ich mir ein deutsches Lustspiel an. Die Schauspieler spielten ziemlich gut; es gab auch einige Szenen in dem Stück, die von einer gewissen Würde waren, aber nichts daran war echt. Die Komödie der Deutschen ist fast immer Nachahmung; sie ist gar nicht bodenständig. Die Engländer haben ein eigenes Genre von Komik, das sich ausschließlich auf die Sitten ihres Landes bezieht; aber um diese Originalität zu haben, muß man eine einheitliche Nation sein, nicht aber zersplittert in fünfzig Regierungen, wie es bei den Deutschen der Fall ist. Wenn eine Nation den Mut haben soll, sich über sich selbst lustig zu machen, dann muß sie sich ihrer Kraft und Überlegenheit bewußt sein.

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Die Deutschen haben eine große Achtung vor dem Tode; sie sprechen von ihm fast immer nur in rührenden Ausdrücken – von der „Ruhe“ und vom „Schlaf“; sie stellen ihn unter sanften – Formen dar; es ist Psyche, die entschwebt, wenn die Seele den Körper verläßt. Die Beerdigungsstätten sind voll von Denkmälern, die von der Trauer der Hinterbliebenen zeugen. Im allgemeinen aber lieben die Deutschen es, sich durch starke Eindrücke bewegen zu lassen, im moralischen wie im physischen Leben; das Klima ist schläfrig, und all die Menschen, die gewohnheitsmäßig die Ruhe lieben, wollen sich aus ihr nur aufschrecken lassen durch heftige Erschütterungen; sanfte, aber dauernde Bewegung paßt ihnen nicht. * Während ich in Frankfurt war, brach zweimal Feuer in der Stadt aus, und da sie aus Holz, gebaut ist, war dies der Anlaß großer Aufregung in der Bevölkerung. Alle Männer der Gesellschaft stellten sich den Hilfsarbeiten mit schätzenswerter Eile zur Verfügung.

Diese Reichsstädte habe eine Art von individueller Freiheit, die nur in einem Lande möglich ist, das nicht aus eigener Kraft existiert und nicht die Mittel hat, der Willkür seiner Nachbarn zu widerstehen. Die innere Freiheit ohne äußere Unabhängigkeit bringt gesunden Sinn hervor, aber nicht jene Kühnheit, die das Gefühl der Kraft gibt. Man würde in Frankfurt gegebenenfalls auf einen passiven und halsstarrigen Widerstand gegen Neuerungen stoßen, die den Menschen mißfallen, aber in ihrem Charakter und in ihren Gewohnheiten ist nichts von der couragierten Unternehmungslust, die der Patriotismus den Engländern eingibt und der Elan den Franzosen.

Die Deutschen im allgemeinen sind eben noch keine Nation: diese Aufteilung in Staaten und der Föderalismus der Fürsten bringen keineswegs ein Vaterland hervor. Föderalismus von Republiken schwächt den Patriotismus nicht; hier ist Freiheit das Leben; freie Menschen sind untereinander immer Mitbürger: edle Gefühle entflammen sie im Kriege und vereinigen sie im Frieden. Was aber die Deutschen von ihrer Kleinstaaterei hoffen können, das sind sanfte Regierungen, die niemand verfolgen, manchmal sogar Freunde der Aufklärung sind, aber solche, die weder mit Eifer noch mit Kraft für die Fortschritte des menschlichen Geistes wirken.

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Die Frauen von Frankfurt schienen mir sehr viel vornehmer zu sein als die Männer, mit Ausnahmen natürlich. Die meisten Männer, die hier leben, sind durchweg mit Handel beschäftigt, mit Geschäften, die in keiner Weise zu den großen politischen Spekulationen in Beziehung stehen. Sie verlassen ihre Geschäftshäuser, um zu spielen und zu essen, und betrachten die Welt als eine durchaus materielle Angelegenheit. Die Frauen haben ein idealeres Leben; sie lesen, sie sinnen, sie träumen: während ihr Geist sich formt, fühlen sie sich isoliert inmitten der Männer, von denen sie nicht verstanden werden; und so flüchten sie immer mehr in die Welt der Poesie. Diese Art, zu leben, ist liebenswürdig; aus ihr entspringt eine besondere Grazie, die uns in Frankreich unbekannt ist, denn wir suchen zu gefallen, sind darauf bedacht, unsere Gefühle zu zeigen, auszudrücken und zu steigern: hier aber ist das Geschick der Frau in das Leben im Heim eingeschlossen, mag es mehr oder weniger glücklich sein, und einige Hirngespinste mögen sich immer in den Wolken befinden, auf die ihre schönen Augen gerichtet sind. Ich weiß nicht, ob diese Lebensweise eine wirklich tiefe Empfindsamkeit hervorruft, denn Empfindsamkeit ist nur tief, wenn sie in wirklichen Leiden und Freuden erlebt wird; aber immer entwickelt sich daraus das unbestimmte Bedürfnis nach etwas Besserem, eine ehrliche Neigung und eine lebhafte Neugierde für alles, was vornehm ist.