1813 erschien Madame de Staëls „De Allemagne“, das erste französische Buch, das sich die Aufgabe stellte, deutsche Kultur den Franzosen nahezubringen. Es bestimmte für lange Zeit das französische Denken über Deutschland. Comtesse Jean de Pange, eine Urenkelin der Madame de Staël, selbst eine namhafte Forscherin, stellt uns unveröffentlichte Aufzeichnungen für dieses Buch zur Verfügung und schreibt dazu:

Das Buch „De l’Allemagne“, das mit Recht als die Bibel der französischen Romantiker bezeichnet wurde, war eines der größten Ereignisse im Geistesleben des 19. Jahrhunderts. Es mußte überraschen, daß sich bis heute niemand darangemacht hat, die Handschriften und Varianten durchzusehen. Die Dokumente, die sich im Schloß Coppet am Genfer See befinden, konnten aber an Ort und Stelle nicht eingesehen werden. Erst seit kurzem ist es möglich, die drei Niederschriften nach ihrer Übertragung auf Mikrofilm zu studieren. Es zeigte sich, daß zahlreiche Seiten, ja ganze Kapitel, nicht veröffentlicht sind.

Die Aufzeichnungen der Madame de Staël von ihrer ersten Reise nach Deutschland zeigen farbige Einzelheiten und Beobachtungen, die sie der Aufnahme in das Buch nicht würdig fand, die aber für uns viel Frische bewahrt haben,

Nachdem Madame de Staël von Napoleon in November 1803 ausgewiesen worden war, entschloß sie sich, Deutschland aufzusuchen, damals für die gebildeten Franzosen ein Neuland. Doch jeder Fußbreit, um den sie sich von Frankreich entfernte, tat ihr weh. Sie hielt sich in Metz auf, um sich mit Charles de Villers zu beraten, einen Lothringer, der beide Sprachen und Kulturen gründlich beherrschte. Er führte sie bei den Gelehrten und Philosophen ein, die sie kennenzulernen wünschte. Sie verließ Metz am 8. November 1803, um sich nach Weimar zu begeben. Auf dem Wege dahin wurden die Eindrücke aufgezeichnet, die hier aus dem unveröffentlichten Text wiedergegeben sind. Die kurzen Auszüge zeigen das starke Interesse, das die kritische Ausgabe des Buches „De l’Allemagne“ mit ihren wichtigen Varianten bietet, dessen Veröffentlichung ich (bei Hachette, Paris) vorbereite.

Comtesse Jean de Pange,

Docteur es-lettres der Universität Paris