Die ersten Verstaatlichungen erfolgten in Frankreich 1936; sie betrafen die Waffenfabriken, die Eisenbahnen und die Bank von Frankreich. Von der Öffentlichkeit wurde dies ohne viel Kritik akzeptiert. Die Regierung (in der damals auch die Kommunisten vertreten waren), verfügte dann nach dem Waffenstillstand über die sogenannten „Notstandsmaßnahmen“ die Verstaatlichung bei den Kohlengruben, dem Flugwesen, den Versicherungsgesellschaften, den Gas- und Elektrizitätsgesellschaften, zahlreichen Privatbanken, Automobilfabriken und anderen Großbetrieben: all dies in rascher Reihenfolge. Frankreich war in einem Jahr in der Verstaatlichung so weit, wie England nach vier Jahren. Während aber in England alle Maßnahmen im Zuge einer sorgfältig vorbereiteten Aktion erfolgten, stellten sie in Frankreich ein hastig zusammengewürfeltes Gesetzwerk dar. Vielfach wurden die verstaatlichten Unternehmen Parteibetriebe der Linksextremen, wurde die Arbeitsmoral durch Parteidisziplin ersetzt. So entstanden phantastische Verwaltungskosten die Produktion der Betriebe sank beträchtlich, und während die meisten Unternehmungen vor ihrer Verstaatlichung gewinnbringend waren, weisen sie nun größtenteils beträchtliche Defizite auf.

Nun soll die „Verfassung“, das Statut der verstaatlichten Betriebe, reformiert werden. Dabei wird unterschieden zwischen jenen Unternehmen, die der Staat monopolistisch („im Hinblick auf das Gesamtinteresse“) betreibt und jenen, die in Konkurrenz zu privaten Unternehmungen stehen. Die in der ersten Gruppe zusammengefaßten Betriebe sollen jeweils von einem Generaldirektor oder einem Direktionskomitee, das höchstens fünf Mitglieder umfassen soll, geleitet werden. Der Direktion steht ein Verwaltungsrat zur Seite, dem Vertreter des zuständigen Ministers angehören, Vertreter der Belegschaft sowie Persönlichkeiten aus der privaten Wirtschaft, die auf Vorschlag des Finanzministers ausgewählt werden. Die Zahl der Vertreter der Belegschaft soll ein Drittel der Zahl der Verwaltungsmitglieder nicht überschreiten. – Die zweite Gruppe der verstaatlichten Betriebe soll auf gleicher Grundlage geführt werden wie eine Aktiengesellschaft; die Rechte der Generalversammlung werden dabei dem zuständigen Ressortminister und dem Finanzminister gemeinsam überantwortet. Die Mitglieder des Verwaltungsrates sind, gemäß den Regeln, die bei einer Aktiengesellschaft gelten, persönlich für die Betriebsführung verantwortlich. Für beide Kategorien der Unternehmen bestimmt das Regierungsprojekt, daß vom Reinertrag vor allem die staatlichen Kredite verzinst werden müssen, und vom Restbetrag die nötigen Summen für die Modernisierung der Betriebe beiseite gestellt werden sollen. J. H., Paris