Die gewerkschaftlichen Aktionen der letzten Wochen haben in der Öffentlichkeit gezeigt, wohin uns der kollektivistische Wind des Totalitätsanspruchs wehen würde, wenn der Widerstand gegen ihn erlahmte. Sie haben offenbar auch die Entschlossenheit des Bundeswirtschaftsministers gefördert, zum Angriff – als der besten Verteidigung seiner marktwirtschaftlichen Konzeption – überzugehen.

In der Paulskirche gab er (anläßlich der Jahreshauptversammlung der Frankfurter Industrie- und Handelskammer) nun eine Probe davon mit der Bemerkung, daß er selbst gegen den Willen des Unternehmertums, für die freie Unternehmerwirtschaft zu kämpfen bereit sei. Man sagt Prof. Erhard mit Recht nach, daß er Mut habe. Aber: Kann man wirklich jemanden zu seinem Glück zwingen? Zumal dann, wenn eine gewisse Resignation sich gerade bei denen ausbreitet, die das konkrete Fundament jener „freien Unternehmerwirtschaft“ zu sein bestimmt sind?

Der Minister hat einige Erreger dieser Infektion erneut beim Namen genannt: das gegenwärtige leistungshemmende Steuersystem (Forderung: Aufwand und Ertrag durch Reformen in eine vernünftige Relation zu bringen); Aktien-Doppelbesteuerung (also abmildern); zwangsgeknebelter Kapitalmarkt (ergo: Entfernung der Fesseln); verschiedentliche partielle Absatzflauten (obwohl ungesättigter Nachholbedarf und bedeutende Investitionsrückstände hiebfeste Argumente gegen Depressionsfurcht abgeben).

Erhard will unbedingt die letzten Überbleibsel der Zwangswirtschaft beseitigen; folgerichtig auch – allmählich – in der Devisenwirtschaft, wenngleich ihm der Zentralbankrat in diesem Punkte augenblicklich noch Mäßigung abverlangt. Er will den Elan am Leben halten, der uns schon über mancherlei Untiefen glücklich hinwegtrieb, jetzt aber etwas ermüdet, Die Paulskirche erlebte eine „starke“ Rede zur rechten Zeit. Be.